Leserbrief

100 Jahre Salzburger Festspiele - und gar nichts gelernt!

Ich finde die Diskussion rund um die Salzburger Festspiele gerade sehr spannend und habe eine inspirierende Idee dazu:

Zum 100-jährigen Jubiläum wäre es passend, die Festspiele auf ihren Ursprung zurückzuwerfen und nur den "Jedermann" aufzuführen. Mit gutem Grund und verbunden mit einer eindringlichen Botschaft an die Weltpolitik und neoklassischen Wirtschaftssystemverfechter:

Jedermann: Die Geschichte des Lebens und Sterbens des reichen Mannes, der sein ganzes Leben lang nur danach getrachtet hat, seinen Mammon wachsen zu lassen und dabei seine guten Werke völlig verkümmern hat lassen.

Eine zeitgeistigere Geschichte gibt es gar nicht!

Wenn wir uns unser derzeitiges Wirtschaftssystem ansehen, in dem nur zählt, was monetäre Gewinne abwirft, ohne die Berücksichtigung von unser aller Gemeinwohl nährenden Werten, wie Menschenwürde, Solidarität oder ökologische Nachhaltigkeit.

Einzig die letale Dramatik, die am Ende des "Jedermann" den Hauptprotagonisten noch zur Läuterung bringt, fehlt im realen Weltgeschehen noch. Aber, wenn wir heuer am Ende jeder Jedermannaufführung einen großen Spiegel aufziehen würden, mit der Frage drauf: Jedermann?

... vielleicht kommt da dann auch der/die eine oder andere Konzernchef/-in oder Politiker/-in drauf, was diese Geschichte mit ihm/ihr zu tun haben könnte.
Ja, die Hoffnung stirbt zuletzt!

5020 Salzburg

Sabine Lehner,

Aufgerufen am 01.10.2020 um 04:08 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/100-jahre-salzburger-festspiele-und-gar-nichts-gelernt-86852875

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