Leserbrief

380 kV: Wer soll betroffen sein?

Vertreter der IG-Erdkabel aber auch Bürgermeister aus dem Flach- und Tennengau fordern seit Jahren gebetsmühlenartig, dass die 380 kV-Salzburgleitung als Erdkabel-Leitung errichtet werden müsse. Sie verweisen dabei gerne auf die Gesetzeslage in Deutschland, wonach Leitungsprojekte dort als Erdkabel ausgeführt werden müssen. Sie verschweigen dabei aber, dass dies ausschließlich auf die geplanten Nord-Süd-Verbindungen zutrifft. Diese Nord-Süd-Verbindungen in Deutschland werden in Folge der langen Strecken als Gleichstromkabel-Leitungen (HGÜ) ausgeführt und sind mit der geplanten "Salzburgleitung" daher in keiner Weise zu vergleichen. Tatsache ist aber, dass sich in Deutschland mit dem Planungsbeginn für diese Erdkabelleitungen die Konflikte mit betroffenen Landwirten zugespitzt haben. Auch das wird bewusst verschwiegen. Eine Ausnahme bildete der Kommentar des "Stierwaschers" in der Salzburg Krone, Ausgabe vom 25. April 2019: "In Deutschland wird gegen Erdkabel demonstriert, bei uns gegen Freiluft-Stromautobahn. Kunnt man net die Projekte tauschen, dann warn ja alle zufrieden…"
Da stellt sich mir die Frage, warum wird das verschwiegen? Ist aber eigentlich ganz einfach: Erdkabelverlegungen sind mit massiven Flächeneingriffen verbunden. Neben den direkten Beeinträchtigungen durch die eigentlichen Baumaßnahmen sind Nachnutzungen in den Kabeltrassenbereichen nur eingeschränkt möglich. Darüber hinaus werden die Bodeneigenschaften der betroffenen Flächen verändert und die natürlichen Funktionen des Bodens beeinträchtigt. Regulierende Eigenschaften im Bereich des Wasser- und Nährstoffhaushaltes, der Lebensraum für eine Vielzahl an Mikroorganismen, Pflanzen, Tiere und auch den Menschen sowie die Funktion des Bodens als landwirtschaftliche Produktionsstätte gehen verloren. Da die Bürgerinitiativen und Bürgermeister das alles natürlich auch wissen, fordern sie eine Vollverkabelung der "Salzburgleitung" von Kaprun bis Elixhausen. Sie hoffen dabei, sollte es dazu kommen, auf einen anderen Trassenverlauf und die ihre Gemeinden wären möglicherweise vom Leitungsbau überhaupt nicht mehr betroffen. Die Last müssten dann andere übernehmen. Darum sind die Angesprochenen auch gegen Teilverkabelungen in ihrem unmittelbaren Umfeld, denn dann wären sie ja weiter die "Betroffenen".

Friedrich Erhart, 5020 Salzburg

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