Leserbrief

Abschiebung nach Afghanistan

Kaum zu glauben, dass Österreich immer noch Abschiebungen nach Afghanistan durchführt und noch dazu in einer inhumanen Form: Ein junger Afghane (damit scheint er schon verdächtig zu sein), der seit drei Jahren in Österreich ist, meldet dem Bundesamt für Fremdenwesen und Asyl (BFA), dass er getauft und gefirmt wurde und daher seine Asylsituation neu zu bewerten sei.

Doch was passiert: Er wird in ein Aufnahmelager transferiert und kurz darauf in Handschellen in Schubhaft genommen. Sein Rechtsanwalt legt Beschwerde ein. Und das Unglaubliche geschieht: Am Tag vor dem Verhandlungstermin am Bundesverwaltungsgericht - also vor einer Entscheidung über die Beschwerde - wird er kurzerhand in ein Flugzeug gesteckt und ohne Papiere völlig mittellos am Flughafen in Kabul "ausgesetzt". Und das in einer der unsichersten Städte der Welt, kurz vor Weihnachten (Herbergsuche 2018). In seinem "Heimatland" Afghanistan ist er jetzt ein "Fremder" ohne Familie und Kontakte, da seine Familie mit dem Leben bedroht war und flüchten musste.


Sämtliche Experten betonen ausdrücklich die schlechte Sicherheitslage und die Unzumutbarkeit einer Abschiebung in dieses Land. UNHCR hat seine neuen Richtlinien zu Afghanistan im August 2018 veröffentlicht und bringt es auf den Punkt: "Geflüchtete Afghan/-innen können nicht nach Kabul geschickt werden. Es gibt dort keinen Schutz."

Entscheidungsträger über Leib und Leben dürfen diese Erkenntnisse doch nicht ignorieren. Das österreichische Innenministerium hält aber trotzdem an den Abschiebungen in dieses Krisenland fest.


Dieser junge Mann hatte sich sehr um Integration bemüht, bereits die A2 Prüfung abgelegt und sich in einer Katechumengruppe über eineinhalb Jahre intensiv auf die Taufe und Firmung vorbereitet. In die Pfarrgemeinde wurde er gut aufgenommen und ist in einigen österreichischen Familien sehr willkommen. Und was mussten wir in der Begründung seiner Abschiebung lesen: "Er hat keinerlei soziale Bindungen in Österreich und es gibt keinen Nachweis einer gesicherten und nachhaltigen Integrationsbestrebung." Ja, was muss denn so ein junger Afghane noch alles machen? Die Lernerfolge, die dauerhafte Auseinandersetzung mit christlichen Werten und die vielen Kontakte mit Österreichern und deren Unterstützung zählen offenbar nichts. Wir sind empört!



Klaus und Eva Burmann, Barbara Hirschbäck, 5751 Maishofen, 5700 Zell am See

Aufgerufen am 21.10.2021 um 02:51 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/abschiebung-nach-afghanistan-63187495

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