Leserbrief

Absurditäten der LBVO

Viele Lehrpersonen haben sich schon über die Leistungsbeurteilungsverordnung (LBVO) geärgert. Der Fall des Kollegen Schnöll gibt endlich Gelegenheit, auf skurrile Details hinzuweisen:


1. In einen Schularbeitengegenstand (Englisch) dürfen keine Tests zur Notenfindung verwendet werden. Die Schüler haben somit das Recht, ab der letzten Schularbeit nichts mehr zu tun. Insofern sind die letzten zwei Schulmonate weitgehend sinnlos.
2. Mündliche Mitarbeit kann für die Noten bewertet werden, allerdings muss die Lehrperson sich genau notieren, was sie gefragt hat und was der Schüler geantwortet hat. Auch bei nur 20 Schülern ist die Lehrperson mit Mitschreiben von Fragen und Antworten voll ausgelastet, zu irgendwelchem neuen Stoff wird er schwerlich kommen. Der Einwand, dass er das ja nicht bei jedem Schüler machen muss, ist abzuweisen, denn jeder Schüler hat das Recht sich gegen seine Note zu beschweren, wenn sie nicht "sehr gut" ist.
3. Lehrstoff, der einmal in einem Test, einer Prüfung oder Schularbeit abgeprüft wurde, darf ein zweites Mal nicht geprüft werden. Schüler haben somit das Recht, alles zu vergessen, was schon einmal geprüft worden ist. Gerade in Sprachen ist das eine äußerst kontraproduktive Bestimmung.


Kollege Schnöll hat nach bestem Wissen und zum Wohl seiner Schüler unterrichtet. Auf Grund der Rechtslage jedoch konnte der Landesschulrat nicht anders entscheiden, als er es getan hat. Es ist zu hoffen, dass das Ministerium die Vorschriften schnellstens überdenkt und eine sinnvollere Bestimmung erlässt.


SR Mag. Franz PöschlBerufsschullehrer i.R., 5163 Mattsee

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