Leserbrief

Akt der Bequemlichkeit

Ein unbequemes Thema unserer Vergangenheit sollte nun in einem Akt der Bequemlichkeit sein Ende finden. Für die Umbenennung einer Straße nach dem Holocaust-Überlebenden Marko Feingold soll nun der Makartsteg herhalten. Da muss man keine Postadressen ändern und das Ganze geht relativ rasch und vor allem ohne Aufwand über die Bühne.

Wie bereits öfter erwähnt, wird der Makartsteg wohl für ewige Zeiten für die Salzburger der Makartsteg bleiben. So wie auch jetzt der Steg keinen deutlichen Hinweis auf seinen Namensgeber besitzt, so wird er auch wahrscheinlich auf lange Zukunft keinen bedeutenden Hinweis auf Marko Feingold haben. Die paar bereits vorhandenen Werbetafeln, die man auf der Brücke zum Gedenken an diesen Menschen nützen möchte, sind meiner Meinung nach kein wirklicher Ersatz für die echte Umbenennung einer Straße oder eines Platzes mit Postadressen. Solche Tafeln lassen sich relativ leicht wieder in Werbeflächen umwandeln. Die Reichweite einer Umbenennung einer Straße, Gasse oder eines Platzes wäre weitaus größer und wirksamer. Es gibt ein größeres Straßenschild und viele kleine an den einzelnen Häusern, die den Namen dauerhaft präsent halten.

Und wiederum möchte man eine Chance vergeben, eine Straße zum Gedenken an einen Menschen neu zu benennen, der in der Zeit des Dritten Reichs und bereits davor großes Leid erfahren hatte durch eine menschenverachtende Ideologie. Die Möglichkeit vergeben, einen belasteten Namensgeber weniger in der Stadt zu haben. Die Namen solcher Persönlichkeiten, die nach dem Krieg unreflektiert für diverse Straßen und Plätze vergeben wurden sind doch zahlreich genug.

Ein heißer Kandidat wäre für mich auch der Ginzkeyplatz in der Alpenstraße, benannt nach dem NS-begünstigten Autor Franz Ginzkey, auch Autor des "Kinderbuchs" Hadschi Bradschis Luftballon. Noch Fragen? Gleichzeitig würde auch die gesamte Alpenstraße von einem gedenkwürdigen Namen durchkreuzt sein, eine Straße, die ja bekanntlich auch Adolf Hitler diente, um seine Residenz in Berchtesgaden, in der weitreichende Entscheidungen des Dritten Reichs getroffen wurden, leicht und bequem zu erreichen.


Andreas Lederer, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 23.09.2020 um 06:37 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/akt-der-bequemlichkeit-92691262

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