Leserbrief

Almwirtschaft und Wölfe sind kein Widerspruch

Zum Leserbrief "Hurra, der Wolf ist gut" vom 9. 3. 2021: Herr Walter aus Leoben meint, die Almen würden zusperren, wenn der Wolf nicht ausgerottet werde, und das sei katastrophal. Ich wohne oberhalb von Leoben in den Bergen, die Herr Walter auch kennen müsste, wenn er so schreibt, und da finde ich die allerschönsten Plätze genau dort, wo die Almen aufgelassen wurden. Die Schüttbaueralm z. B. wurde vor 100 Jahren aufgelassen und ist heute ein malerischer Ort großer Ruhe. Ebenso die Hochalm oder die Trawiesalm.

Diese Orte sind von besonderer Schönheit, die Herrn Walter offenbar entgangen ist. Abgesehen davon irrt er, wenn er Alm mit Alm vergleicht. Rinderalmen sind von Wölfen praktisch nicht gefährdet und dort gibt es Ausschank. Schafalmen, die gefährdet sind, haben fast nie Almhütten dabei. Wenn die Schafalmen aufgelassen werden, kann also kein Tourismus leiden. Und zuletzt stimmt das Argument überhaupt nicht, dass die Präsenz von Wölfen der Almwirtschaft widerspricht. Herr Walter braucht nur 900 km nach Osten reisen und wird dort in den rumänischen Südkarpaten zahllose Almen mitten im Wolfsgebiet finden. Die Schafalmen sind behirtet - ohne Zäune, die Rinder- und Pferdealmen nicht, diese Tiere verteidigen sich selbst ausreichend gut.

Herr Walter erwähnt auch die Bären, die gerade bei uns am Hochschwab vor
20 Jahren tatsächlich vorhanden waren. Ich habe einen getroffen. Herr Walter auch? Wir, die wir am Berg wohnen, haben uns sehr über die Bären gefreut - bis sie illegal von der Jägerschaft abgeknallt wurden. Einfach aus Lust an der Trophäe. Nein, wir Bergbewohner/-innen wollen Bär, Wolf und Luchs wieder in der uns umgebenden Natur haben. Ich will abends Wölfe heulen hören. Was Schöneres kann ich mir kaum vorstellen.


DDr. Martin Balluch, 8635 Gollrad

Aufgerufen am 25.10.2021 um 10:45 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/almwirtschaft-und-woelfe-sind-kein-widerspruch-100884904

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