Leserbrief

Alpenverein hat sich verirrt

Ich bin seit über 40 Jahren Mitglied des Alpenvereins (AV), die verschiedenen Aktivitäten des AV gegen eine Übererschließung der Alpen habe ich meist mitgetragen und durchwegs begrüßt.

Durch den Klimawandel geht es zwischenzeitlich um wesentlich mehr, denn unsere fundamentalen Lebensgrundlagen sind massiv in Gefahr. Wenn der Alpenverein nunmehr acht von elf definierten Vorrangzonen für Windräder ablehnt, ist man offensichtlich in der Realität noch nicht angekommen. Trotz ausgereifter Technologie und gesicherter Finanzierung haben in der Vergangenheit die Blockierer und Verhinderer, einschließlich LH Haslauer ("Salzburg ist auch ohne Windräder vollständig") alles abgewürgt. Wertvolle Zeit ist ungenützt geblieben.

Der Alpenverein gefährdet mit seiner Stellungnahme nun zu meinem großen Bedauern den alternativlosen Strukturwandel in der Energiegewinnung. Warum sollte man laut AV die Windräder möglichst nicht sehen? Was will man hier verstecken? Jedes Windrad sollte gleichzeitig auch ein stiller Mahner gegen den unersättlichen Energiekonsum unserer Gesellschaft sein.

Der gut gemeinte Vorschlag des Alpenvereins, die Mitglieder mögen zukünftig doch die Öffis nutzen, geht vorerst völlig ins Leere. Trotz hoher Spritpreise sind aktuell insbesondere an Wochenenden wieder tausende Skitourengeher aus allen Himmelsrichtungen mit den Pkw unterwegs und parken die Täler teilweise bis zum letzten Bergbauern voll.

Die Alternativen im Energiebereich sind seit Jahrzehnten bekannt. Unser Versagen wird uns immer wieder aufs Neue vor Augen gehalten. Die Realität ist: Mit Öl-/Gas-Milliarden haben wir Kriege gefördert und mitfinanziert. Nicht erst seit die Ukraine brennt. Ich kenne den Jemen, dort wird seit Jahren ein Stellvertreter-Krieg zwischen dem Iran und Saudi-Arabien mit ganz dramatischen Folgen geführt.
Die Fakten sind so erdrückend, ich ersuche daher alle Entscheidungsträger, mit Nachdruck die Aufstellung von Windrädern voranzutreiben. An den Alpenverein appelliere ich in aller Deutlichkeit: Gebt eure Blockadepolitik auf, arbeitet konstruktiv mit! Die Sache ist zu ernst. Wir können nicht wieder Jahre diskutieren, wir müssen umsetzen.


Hans Thaler, 5441 Abtenau

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