Leserbrief

Altbürgermeister zum Hahnbaumlift

Thomas Auinger hat das Thema Hahnbaumlift (SN vom 24. 1.) treffend analysiert. Ergänzend möchte ich meine Gedanken dazu unterbreiten. Für den Neubau des heutigen Hahnbaum-Sessellifts im Jahr 1976 habe ich mich sehr engagiert - durch eigene finanzielle Beteiligung und Gewinnung vieler Gleichgesinnter. Als Bürgermeister habe ich mich für die Lifte sowohl am Hahnbaum als auch im Alpendorf eingesetzt. Vonseiten der Gemeinde und somit von den St. Johanner
Steuerzahlern wurden beträchtliche Leistungen erbracht.
Die Beliebtheit des Hahnbaumlifts bei den St. Johannern spiegelt sich leider nicht in entsprechenden Beförderungszahlen wider. Daraus resultiert ein beträchtlicher jährlicher Abgang. Millioneninvestitionen halte ich insbesondere bei der Klimaentwicklung für ein Skigebiet mit einer Höhenlage wie dem Hahnbaum für nicht zukunftsweisend. Vorausschauende Politik der Gemeinde hat St. Johann zu einer guten finanziellen Lage verholfen.
Die Fortführung des Gratis-Tellerlifts und eines Schlepp-lifts ermöglicht es unseren Kindern, das Skifahren am Hahnbaum zu erlernen, und ist auch ein Angebot für unsere Schulen. Der kostenlose Skibusbetrieb ins Alpendorf ist für ältere Kinder und alle Erwachsenen attraktiv. Die Unterstützung beim Saisonkartenkauf von Kindern sowie eine Reihe weiterer Fördermaßnahmen durch die Gemeinde sind beispielhaft und nicht selbstverständlich.
In der nunmehr emotional verlaufenden Diskussion ist zu erwarten, dass sich die Gemeindeführung mit von Bürgern vorgetragenen Anliegen sachlich auseinandersetzt. Im persönlichen Gespräch, basierend auf gegenseitigem Respekt, sollte man auch unterschiedliche Standpunkte offen austauschen können. Ein Miteinander ist gefragt. Aktionismus trägt weniger dazu bei. Auch vor Wahlen plötzlich erwachtes parteipolitisches Engagement - mit großzügigem Umgang von Steuergeld - ist nicht besonders glaubwürdig.
Konkrete Absichten des Liftbetreibers (Zukunft auch für Rodeln und Tourengehen sowie Beschneiung) sollten öffentlich bekannt gemacht werden und als Basis für das noch offene "Hahnbaum-Winter-Konzept" unseres Stadtentwicklungsprozesses dienen.
Abschließend noch folgende Bemerkung aus eigener Erfahrung: Keinem Bürgermeister wird es gelingen, allen Bürgerinnen und Bürgern immer gerecht zu werden. Es ist aber seine Aufgabe, die Gemeinde in Zusammenarbeit mit der Gemeindevertretung vor überzogenen finanziellen Belastungen zu bewahren und im Sinne der Allgemeinheit wirtschaftlich vernünftig zu führen.
Das zeichnete zumindest St. Johann bis dato aus.


Leo Neumayer, 5600 St. Johann im Pongau

Aufgerufen am 21.10.2020 um 07:24 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/altbuergermeister-zum-hahnbaumlift-65197486

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