Leserbrief

Am Urinal

Wer jemals die im Umkreis der heimischen WC-Schüssel breit gestreuten Harnsäure-Hinterlassenschaften (besser wohl: Vorderlassenschaften) von standhaften männlichen Hockverweigerern beseitigen musste, wird das Urinal als Fortschritt in die richtige Richtung empfinden. Aber selbst bei diesen zumeist in öffentlich zugänglichen Toiletten angebrachten und sehr zweckgerecht gestalteten Gefäßen für die männliche Notdurft bedurfte es noch einiger erzieherischer Maßnahmen. Dazu gehört die glasurgeschützte eingebrannte Fliege, die auf dem Umweg über den männlichen Jagdtrieb die Treffsicherheit fördern soll. Auch das ungeachtet gegenteiliger Nationalratsbeschlüsse im Gegensatz zu Gasträumen in WCs weitgehend durchgesetzte Rauchverbot hatte die Nebenwirkung, dass die nunmehr freiwerdende Zigarettenhalterhand eine beidhändige und damit wesentlich zielgenauere Bedienung des männlichen Entleerungswerkzeugs ermöglichte. Umso mehr war der Verfasser irritiert, als er kürzlich am Urinal einer renommierten Salzburger Gaststätte auf einen Notdürftigen traf, welcher die eine Hand zwar nicht durch die verbotene Zigarette zweckentfremdete, wohl aber durch die Bedienung eines jener Wisch- und Wasch-Handys! So könnte die aufmanipulierte neue Kommunikations-"Kultur" letztlich alle Bemühungen um saubere Gaststättentoiletten unterlaufen.

Horst Ebeling, 5020 Salzburg

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