Leserbrief

An Diakonie und Caritas

Sie greifen mich in einem Leserbrief in den SN vom 8. Mai an mit der Behauptung, ich hätte in meiner Darstellung der Salzburger Bettlerszene auf Faktenbelege verzichtet. Mitnichten! Sie verweisen auf Ihre Kenntnisse der Herkunftsregionen. Dann sollte auch Ihnen bekannt sein, welch gigantische Förderungen die EU beispielsweise nach Rumänien überweist - nicht weniger als 23 Milliarden Euro bis 2020.

Besonders interessant sind die damit verknüpften Ziele 8 und 9: 2,229 Milliarden für die Förderung nachhaltiger und hochwertiger Beschäftigung und Unterstützung der Mobilität der Arbeitskräfte, sowie 3,408 Milliarden für die Förderung sozialer Inklusion und Bekämpfung von Armut und jeglicher Diskriminierung. Von diesem Geld bekommen offenkundig jene, die Sie dann hierzulande als "Notreisende" oder "Armutsmigranten" unterstützen, wenig bis gar nichts. Es kann nicht sein, dass Rumänien die Folgen seines Versagens in der Sozialpolitik, die von der EU so massiv finanziell unterstützt wird, in andere EU-Länder exportiert.

Die Behörden unterscheiden übrigens zwischen dem selbstbestimmten und daher nicht strafbaren Betteln auf Grund von Armut, dem organisierten Betteln zur Profitmaximierung als Verwaltungsübertretung und der strafrechtlich relevanten Ausbeutung von Bettlern durch Menschenhändler. Ich habe übrigens von einem "organisierten Geschäftsmodell" geschrieben. Sie haben mir den Begriff "Bettlermafia" unterschoben.
Ihrem christlichen Auftrag folgend unterstützen Sie diese "Notreisenden" in Salzburg mit Quartieren und anderen Hilfeleistungen und bestreiten, dass eine Organisation im Hintergrund wirkt. Nicht nur, dass viele Salzburger aus eigener Beobachtung heraus es besser wissen und die Bustransporte und das Inkasso durch "Begleiter" bestätigen.
Der wohltätige Seniorchef eines renommierten Salzburger Hotels schilderte mir beispielsweise, dass ihn ein Rumäne gebeten habe, ihm für die Heimreise kein Geld, sondern Sachspenden zu geben. Das Geld werde ihm nämlich abgenommen.
Und: Die auch für Sie wohl unverdächtige Tageszeitung "Die Presse" hat einen "Blick ins Innere der Bettlermafia" geworfen und sich dabei auf Ermittlungen des Bundeskriminalamtes gestützt. Durch die gute Vernetzung der Behörden - schreibt die Presse - "konnten die Strukturen der Organisationen genau dokumentiert werden".
Warum nicht in Salzburg? Hat man Angst vor Diakonie und Caritas, die dann über jene herfallen, die Fakten aufzeigen?


Hans Kutil, 5023 Salzburg

Aufgerufen am 24.01.2021 um 09:07 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/an-diakonie-und-caritas-69944227

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