Leserbrief

Anregung: Stolpersteine reinigen

Zum Leserbrief: "Erneut mit Füßen getreten", (SN, 1.2.):

Lieber Herr Wallmann,

mit Spannung hab ich Ihren Leserbrief gelesen und verstehe Ihren Standpunkt.

Ich möchte Sie auf drei andere Sichtweisen aufmerksam machen.

1. Niemals wäre ein Projekt in diesem Ausmaß europaweit möglich, wenn man anstatt der Stolpersteine Gedenktafeln an Häusern montieren würde. Die Straßen gehören ja in der Regel der Gemeinde, die Häuser Privaten. Ich glaube nicht, dass alle Privaten dem Anbringen von Stolpersteinen zustimmen würden.
2. Die Stolpersteine am Boden führen zu einem "Stolpern" - nicht einem wirklichen Stolpern, sondern einem Stolpern des Gehirns und des Herzens. Wenn man sich dann bückt, um den Namen zu lesen, ist es eine symbolische Verbeugung vor den Opfern.
3. Ich selbst und ein paar meiner Freunde gehen regelmäßig, anlässlich der diversen Gedenktage, durch die Stadt (sowohl in Hallein als auch in Salzburg) und reinigen die Steine. In Salzburg gibt es einen Herren, der das fast jeden Tag tut. Wenn andere unserem Beispiel folgen, dann werden die Steine noch in vielen Jahren glänzen und gut sichtbar sein (bei starken Beschädigungen werden sie übrigens vom Künstler ausgetauscht).
In diesem Sinne hoffe ich, ich habe ein paar Leute angeregt, auch selbst einmal ein paar der Steine zu reinigen - und vor allem: sich mit den Menschen und deren Geschichten zu befassen.

Luis Schlager, 13 Jahre, Puch

Aufgerufen am 23.09.2020 um 08:31 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/anregung-stolpersteine-reinigen-82945408

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