Leserbrief

Appell an Entscheidungsträger/-innen

Mit großem Interesse habe ich den Artikel im Lokalteil der SN über die Befragung der Spitalsmitarbeiter durch die AK Salzburg gelesen und den Kommentar von Herrn Prilic.
Eine Diagnose ist immer wichtig, und die Umfrage der AK scheint ein beachtenswerter Beitrag zu sein. Die Zufriedenheit im beruflichen Alltag realistisch einzuschätzen, ist ein Schritt von mehreren. Die Augen vor dem Ergebnis zu schließen, wäre ein Fehler. Und Ergebnisse wegen des Rufes, der eventuell daraus resultieren kann, unter den Teppich zu kehren, wäre ungeschickt.

So werden jene, die auf eine Problemlage hinweisen, beschimpft, während jene, die die Schlüssel und die Macht für günstige Veränderungen in der Hand haben, weiter kaum Handlungsbedarf sehen.
Wichtige Ursachen für die Probleme der Gegenwart, sind im Artikel erwähnt. Hervorzuheben: Die Aufenthaltsdauer in Krankenanstalten hat sich massiv verkürzt und damit die Zahl der Patienten, die täglich durch die Drehtür der Krankenanstalten krank hinein und meist gebessert, aber nicht gesund heraus gehen… Immer schneller, immer kürzer… die Kasse muss stimmen…alles zusammen wirkt sich unmittelbar am Krankenbett aus.

Am Ende der Kette liegen nicht die Entscheidungsträger im Bett, sondern leidende Menschen und nur einen Schritt neben ihnen stehen oft überforderte Pflegepersonen und Ärzte, die es eigentlich gerne viel besser machen möchten. Aber sie können nur von einer Notwendigkeit zur nächsten hetzen. So was macht nicht unbedingt zufriedener.
Man muss die Sachlage erkennen, vertrauen, aber auch klar fordern dürfen, dass die Entscheidungsträger in der Folge auch richtige Maßnahmen treffen, trotz der Tatsache, dass der Weg von der Diagnose zur Therapie mühsam ist. So ist auch den Beitrag der AK zu sehen. Es geht dann etwas weiter, wenn mehrere Seiten Problemlösungen suchen. Ändert man nichts, bleiben viele unmittelbar Betroffene - Patienten, Pflegende und Ärzte - auf der Strecke. Sie müssen die Folgen von Nichthandeln der Führungsebene ertragen.


Sehr geehrte Entscheidungsträger/-innen, bitte setzen Sie sich doch, wie vor 30 Jahren, wieder zusammen - über Partei- und Interessensgegensätze hinweg. Schauen Sie nicht zu, werden Sie wieder großzügiger und weniger ängstlich im Denken und Umsetzen. Dafür war die Salzburger Pflege- und Politiklandschaft früher bekannt und etliche Jahre hatte man dadurch deutlich weniger Personalsorgen als andere Bundesländer, zumindest so lang nicht, bis wieder der Sparstift zum obersten Regenten erhoben wurde.
Lassen Sie bitte wieder einen großzügigen systemischen Denk- und Umsetzungsprozess zu, keine ängstliche Kleinkrämerei, und vor allem keinen unnötigen Verschleiß von Ressourcen durch unsinnige Konkurrenz.
Jene Politiker und Pflege-Verantwortlichen, die großzügige Lösungen erfolgreich umsetzen, haben dann auch alle Ehre verdient.


Reinhilde Hufnagl, 4813 Altmünster

Aufgerufen am 03.12.2020 um 08:20 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/appell-an-entscheidungstraeger-innen-62713726

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