Leserbrief

Arbeitssituation der Pflegekräfte in Krankenhäusern

Bezugnehmend zum Artikel in den SN vom 15.12.2018 "Ein Hilfeschrei aus dem Krankenhaus":

Aktuell werden in den Medien wieder Begriffe wie Pflegenotstand oder Pflegeoffensive diskutiert. Maßnahmen, welche die pflegerische Versorgung von Menschen in einer immer älter werdenden Gesellschaft sicherstellen sollen. Kaum aber wird ein Zustandsbild der Arbeitssituation von Pflegekräften in Krankenhäusern thematisiert. Die Umfrage der AK in den SALK macht nun eine äußerst belastete Berufsgruppe sichtbar. Es ist allgemein bekannt, dass Pflegekräfte sehr hohen, vielseitigen Belastungen ausgeliefert sind wie z.B. Mobbing, aber auch Gewalt gegenüber Pflegekräften oder sexuelle Übergriffe gehören dazu. Durch die Umfrage ist es nun mit Zahlen hinterlegt und quasi amtlich. Sehr belastend für Pflegekräfte ist es, einen schier unmöglichen Spagat hinzulegen zwischen den medizinisch geforderten Tätigkeiten und den individuellen Bedürfnissen von Patienten. Die individuellen Bedürfnisse nehmen notwendigerweise viel Zeit in Anspruch. Es gehört aber auch zu den wesentlichen Aufgaben des Pflegepersonals auf diese in fachlich-emphatischer Weise einzugehen. Zum Beispiel um Patienten wieder zu größtmöglicher Selbstständigkeit anzuleiten, damit sie wieder in ihr häusliches Umfeld zurückkehren können. In diesem Zusammenhang macht es sehr betroffen in dem Artikel zu lesen, dass Herr Professor Koehler, ärztlicher Direktor der SALK, ein sehr niederschmetterndes Urteil über den Pflegestand ausspricht. Er meint in diesem Artikel, die Pflege hätte gefühlt immer zu wenig Zeit für den Patienten. In dieser Aussage spricht er den Pfleger/-innen ganz klar deren fachliche Kompetenz ab. Pflegekräfte müssen doch ihre Arbeit planen, führen ihre gesetzten Maßnahmen aus, formulieren Ziele und überprüfen das Erreichen der Ziele. Deren Arbeit ist demnach klar belegbar und ist keine Frage von vagen gefühlsmäßigen Eindrücken. Es bleiben nach dieser Aussage von Professor Koehler einige Fragen offen. Wo bleibt das Statement der pflegeverantwortlichen Direktor/-innen zu diesem erschütternden Ergebnis der AK-Umfrage? Wie ist es möglich, dass trotz Akademisierung der Pflege, die unter anderem ein selbstbewusstes eigenständiges Berufsbild fördern soll, kein Widerspruch zu dieser Aussage kommt von seitens der Professor/-innen von den FH´s, die für das Studium der Pflege verantwortlich sind? Wieso kann ein Arzt über den Berufsstand der Pflegekräfte urteilen? Oder sind die Zeiten doch noch nicht vorbei, in denen ein Klinikvorstand am Jahresende die goldene Palme der Aufopferung an besonders verdiente Pfleger/-innen vergibt?

Peter Hirscher, 3040 Neulengbach

Aufgerufen am 24.11.2020 um 05:25 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/arbeitssituation-der-pflegekraefte-in-krankenhaeusern-62874469

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