Leserbrief

Armer, armer Schüler!

Ich war 43 Jahre als VS-Lehrerin und Direktorin tätig und bin seit einem halben Jahr in Pension.
Nach diesem Angriff auf einen Lehrerkollegen, der sicher nach bestem Gewissen und aufbauend auf seine langjährige Erfahrung Noten vergibt, frage ich mich, wohin es führt, wenn Eltern, Juristen und Bildungsdirektionen Lehrer/-innen in die Knie zwingen.
Bei diesem Vorfall tun mir mehrere Personen leid:
1. Der Lehrer, der so abwertend behandelt wird; er kann hoffentlich bald seine Pension genießen.
2. Alle und besonders diese Eltern, die glauben, sie müssen ihrem Sprößling auf so unglaubliche Art und Weise den Weg in die Zukunft ebnen, in der Meinung, ihm etwas Gutes zu tun.
3. Das arme Kind!
Es wird nicht lernen, seine Fehler selbst zu verbessern und sein Leben später selbständig und ehrlich zu meistern.
Mögen die Eltern und gut bezahlte Rechtsanwälte stets hinter ihm stehen, dass es niemals scheitert.
Mein Mann und ich zogen vier Kinder groß. Schlechte Noten wurden besprochen und Lösungen gefunden. Niemals wäre die Idee aufgekeimt, Lehrer/-innen, Direktor/-innen usw. damit zu konfrontieren.
Nur Lehrer/-innen, die die Kinder unterrichten, können sie auch beurteilen, und niemand anderer. Die Leistungen müssen von den Schülern und Schülerinnen erbracht und nicht von Eltern erkämpft werden. Unsere Vier haben die Matura bestanden, haben einen Beruf und sind mündige Erwachsene. Und wir Eltern sind stolz auf sie.
Schule, quo vadis?


Monika König, 5591 Ramingstein

Aufgerufen am 23.09.2020 um 05:31 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/armer-armer-schueler-64617979

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