Leserbrief

Armes Österreich

Schon im Vorjahr war in allen Zeitungen zu lesen, dass die Zahl der Menschen in Österreich, die unter der Armutsgrenze leben müssen, auf mehr als 1,4 Mill. angestiegen ist. Am 12. 12. 2018 stand in den SN, dass auch in Salzburg mehr als 85.000 Personen davon betroffen sind. Warum?

Ich gebe die Schuld den jährlichen Gehaltserhöhungen, und zwar deshalb: Die jährlichen Teuerungen auf Lebensmittel und alles, was wir sonst zum Leben brauchen, müssen wir alle zum gleichen Preis bezahlen. Das heißt, es müssten alle auch eine gleich hohe Teuerungsabgeltung bekommen. Dem ist aber nicht so. Jährlich im Herbst werden von den einzelnen Berufsgruppen die Gehaltsverhandlungen aufgenommen, wobei es ständig zu verschieden hohen Gehaltserhöhungen kommt. Der Wahnsinn dabei ist, dass diese verschieden hohen Erhöhungen mit dem Einkommen der Arbeitnehmer in Zusammenhang gebracht werden, und dann kommt Folgendes heraus: Ein Arbeiter, der 1500 Euro verdient, bekommt bei angenommener dreiprozentiger Erhöhung 45 Euro pro Monat. Ein Angestellter, der 5000 Euro verdient, bekommt aber 150 Euro. Da sieht man bereits den Unterschied, wodurch natürlich die Kluft zwischen Arm und Reich von Jahr zu Jahr größer wird, und auch die Zahl derjenigen, die unter die Armutsgrenze fallen, wird immer größer. Wenn das so weitergeht, werden wir bald in einen tiefen Abgrund fallen, aus dem es schwer wird, wieder herauszukommen.

Und was machen die Politiker? Ich habe noch von keinem gehört, der sagt: Es muss Schluss sein mit dieser Art von Teuerungsabgeltung. Entweder sie haben keinen Charakter und kein Gerechtigkeitsgefühl oder sie haben keine Zeit, weil sie so viel anderes zu tun haben.

Da war die Debatte um das Rauchverbot, das Problem wurde verschoben. Schnell hingegen kam der Beschluss zum Ankauf von 16 Pferden für die Wiener Polizei. Wofür ist so etwas gut? Ein Wahnsinn ist die Idee mit dem Zwölf-Stunden-Arbeitstag. Wer verdient an dieser
Sache? Eines ist sicher: Die
Lebensqualität der Menschen wird schwerstens kaputtgemacht. Was sollen die Debatten bezüglich Kopftuch für Kinder in Kindergärten und Volksschulen? Was sollen die andauernden Diskussionen, ob 120 km/h, 140 km/h oder gar 160 km/h? Ein Witz, die Sache mit dem Karfreitag. Was soll ein Papamonat?

Für alles Mögliche hat man Zeit, nur für die Bekämpfung der Armut nicht. Ich für meine Person muss sagen: Mir reicht's! Sollte sich nicht bald etwas ändern, werde ich zu keiner Wahl mehr gehen, denn ich kann keine Politiker wählen, die keinen Charakter und kein Gerechtigkeitsgefühl mehr haben.

Friedrich Wöss, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 28.10.2020 um 07:24 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/armes-oesterreich-68350597

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