Leserbrief

Auch der Atheismus erkennt das Schöne an

Die SN räumen den Religionen breiten Raum ein, kaum jedoch dem Atheismus, obwohl dieser gemäß seriösen Umfragen breit gestreut ist. Überraschend war daher der SN Artikel "Ein Atheist über religiöse Rätsel" am 2. 5. Es wird darin beschrieben, wie sehr die Gläubigen durch Aufnahme in die religiöse Gemeinschaft eine große Geborgenheit erleben. Darüber hinaus dürfen sie an das tröstlichste Versprechen glauben, das es überhaupt gibt: in einem jenseitigen Leben diejenigen Menschen wiederzufinden, die wir durch Tod verloren haben, und auch mit denjenigen wiedervereint zu sein, die wir durch unseren eigenen Tod verlassen mussten. Atheisten können durch tiefgründiges Nachdenken über die Natur und den Kosmos die Überzeugung einer gottfreien Welt gewinnen. Stephen Hawking etwa schreibt, dass es vor dem Urknall gemäß der Relativitätstheorie keinen Raum und keine Zeit gab und daher auch keine Möglichkeit für einen Schöpfergott, den Urknall zu zünden. Albert Einstein wiederum, Schöpfer der o. a. Theorie und gewiss einer der brillantesten Köpfe, die es je gab, war voll tiefer Bewunderung für die Schönheit und Vollkommenheit des Kosmos. Gott hat er dafür nicht benötigt, es war Spiritualität ohne Gott. Die Ordnung des Kosmos können wir inzwischen ja widerspruchsfrei und überzeugend auch ohne übernatürliche Kräfte erklären. Ein neuer, gangbarer Weg für Atheisten, spirituell ohne Gott zu leben? Michael Köhlmeier hat dazu einmal gemeint, auch wenn die Schönheit der Natur rein materiell ist, mit nichts dahinter, keinerlei Transzendenz, bleibt sie dennoch was sie ist, eine wunderschöne Welt.


Benno Treml, 5101 Bergheim

Aufgerufen am 04.12.2020 um 12:21 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/auch-der-atheismus-erkennt-das-schoene-an-87408016

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