Leserbrief

Aufwertung des Pflegeberufs

Stellungnahme zur Kolumne "Gewerkschaft verliert Maß und Ziel" von Herrn Hermann Fröschl (SN-Lokalteil vom 9. Februar):
Es ist endlich einmal an der Zeit, den Pflegekräften die nötige Aufmerksamkeit zu schenken. Ärzte dürfen für bessere Arbeitsbedingungen und mehr Gehalt streiken - auf jeden Fall.
Ein Streik der ÖBB wird gerade noch toleriert. Aber ein Streik der Pflegekräfte - da hört sich die Toleranz auf.
Von denen erwartet man Untertänigkeit, Selbstlosigkeit und Aufopferung. Eigene Bedürfnisse sollten tunlichst hintangestellt werden.
Es ist leicht, eine Kolumne zu verfassen, wenn man acht Stunden im warmen Büro am Schreibtisch sitzt.
Pflegekräfte im ambulanten Bereich müssen zum Teil massive Überstunden leisten, um den Personalmangel auszugleichen und um die Patienten/-innen ordentlich betreuen zu können.
Und das, wie im heurigen Winter, wo sie ev. nach jedem Einsatz das Auto wieder abkratzen bzw. ausschaufeln müssen, keine Parkplätze mehr finden und sogar, um den kranken Bergbauer erreichen zu können, Ketten anlegen müssen.
Das Ganze natürlich unter Zeitdruck - die nächsten Patienten/-innen warten schon.
Und gerade Sie als ausgezeichneter und investigativer Journalist, Herr Mag. Fröschl, müssten wissen, dass eine Gewerkschaftssuppe nie so heiß gegessen wird, wie sie gekocht wird.
Es geht jetzt darum, den Pflegeberuf aufzuwerten und den Pflegekräften bessere Arbeitsbedingungen sowie einen angemessenen Lohn anzubieten.
Sonst kommen wir in die prekäre Lage, dass sich keine Personen mehr bereit erklären, diesen Beruf zu erlernen, und die bestehenden Pflegekräfte alles hinwerfen, weil sie nicht mehr in der Lage sind, noch länger zu kompensieren. Und daran kann doch niemand wirklich Interesse haben. Oder?


Josef Scheiber, 5771 Leogang

Aufgerufen am 24.10.2020 um 05:45 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/aufwertung-des-pflegeberufs-65609659

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