Leserbrief

Autobiografie von Kurt Waldheim

Vor einigen Tagen alterierte sich in den SN ein Leserbriefschreiber über den Film "Waldheims Walzer". Waldheim sei doch bei seinem Eintritt als Generalsekretär der UNO "sicherlich überprüft worden". Irrtum. Vielleicht hätte der Verfasser sich den Film ansehen sollen, denn in ihm wird aufgezeigt, dass Waldheim von niemandem überprüft wurde. Am allerwenigsten von österreichischen Behörden. Ich hatte 1991 die Ehre und Gelegenheit, mit Sir George Weidenfeld darüber ein Gespräch zu führen. Weidenfeld, der 1938 vor den Nazis aus Wien flüchten musste, stieg später in London zu einem prominenten Verleger auf. 1980 lud er Waldheim ein, eine Autobiografie zu verfassen; er würde sie veröffentlichen. Waldheim nahm an und hatte schon wenige Monate später ein Manuskript. Zum Erstaunen des Verlegers begann diese Autobiografie aber erst im Jahr 1945! Weidenfeld belehrte ihn, dass Autobiografien immer viel früher anfangen, mit der Kindheit oder noch früher, mit den Eltern oder Großeltern. Ohne diese Vorgeschichte könne er das Manuskript nicht annehmen. Waldheim reichte etwas widerwillig 40 Seiten nach, in denen er mit keinem Wort auf sein Tun am Balkan unter dem später als Kriegsverbrecher verurteilten General Löhr einging. Als Ende 1985 seine Darstellung, er sei von 1941 bis zum Kriegsende nur Student gewesen, angezweifelt wurde, log er und beteuerte seine Version der Autobiografie. Wer einmal lügt, der lügt immer wieder.

Univ.-Prof. (i. R.) Dr. Adi Wimmer, 9074 Keutschach

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