Leserbrief

Bahnausbau nicht automatisch ökologisch

Sehr geehrter Herr Mag. Mosser! Leserbriefe müssen sachlich richtig sein, da geben wir Ihnen recht. Aber muss diese Regel nicht auch für die ÖBB gelten?

Ihre Aussage, "viele [Menschen] wollen mehr S-Bahnen zwischen Salzburg und Straßwalchen", löst bei uns Verwunderung aus. Die ÖBB-Neubaustrecke endet nicht in Straßwalchen, sondern ca. 2 km vor Neumarkt und ca. 5 km vor Straßwalchen. Wie soll das Nahverkehrs-Angebot bis Straßwalchen verbessert werden, wenn laut ÖBB die derzeit bestehenden zwei Gleise nicht ausreichen, aber nach Fertigstellung des Tunnels auf den letzten 5 km nach Straßwalchen auch nur zwei Gleise zur Verfügung stehen? Wir vermissen seit Jahren ein Gesamtausbaukonzept Richtung Wels. Ist es wirklich sinnvoll, einen Tunnel zu bauen, der Milliarden von Steuergeldern verschlingt und bei dem man hinten und vorne nicht weiß, wie es weitergehen soll?

Ihre Aussage "dem Wiedereinbau des anfallenden Materials im Nahbereich des Tunnelportals ist . . . ökologisch und ökonomisch klar der Vorzug zu geben" ist irreführend und auch falsch. Der Großteil des Ausbruchsmaterials wird nicht wiedereingebaut, sondern auf kostbaren Wald- und Wiesenflächen (gesamt 44 ha) ca. 20 Meter hoch aufgeschüttet. Es wird eine Deponie für vorwiegend belastetes Material errichtet, die über Jahrzehnte keine landwirtschaftliche Nutzung mehr zulässt. Ähnliches Material muss in Baden-Württemberg wie Sondermüll behandelt werden. Und dass für die Lagerung von etwas mehr als zwei Millionen m3 Tunnelmaterial ca. eine Million m3 Befestigungsmaterial mittels Lkw angekarrt werden muss, ist weder ökologisch noch ökonomisch!

Noch ein Wort zum Transport der beim Bau des Tunnels benötigten Güter. Sämtliche Materialien, wie z. B. Schotter, Zement, Stahl, werden mittels Lkw angeliefert. Die ÖBB kommen gar nicht auf die Idee, die Bahn als Transportmittel zu wählen. Wie wollen sie da andere Unternehmen von der Beförderung der Güter auf der Schiene überzeugen? Wie wollen die ÖBB die in den Einreichunterlagen prognostizierte Steigerung der Güterzahlen erreichen, die den Tunnel rechtfertigen würden?

Brauchen wir wirklich einen Tunnel, der weder für den Nahverkehr noch für den Güterverkehr und schon gar nicht für eine Hochleistungsstrecke taugt und dessen Bau absolut nicht ökologisch ist?


Franz Goiginger, 5203 Köstendorf

Aufgerufen am 04.12.2020 um 07:15 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/bahnausbau-nicht-automatisch-oekologisch-94784248

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