Leserbrief

Baudisch, Badeschloß und Bad Gastein

Im für eine Entkernung vorgesehenen Badeschloß von Bad Gastein zieren drei großflächige Stuckdecken die Eingangsbereiche und den Speisesaal. Geschaffen wurden sie von Gudrun Baudisch-Wittke im Jahre 1948. Ihre keramischen Arbeiten für die Wiener Werkstätte erzielen auf Auktionen Höchstpreise. Ihre baukünstlerischen Werke, teilweise in Zusammenarbeit mit Clemens Holzmeister, sind als Teil der Innenarchitektur eines Gebäudes nicht so einfach verkaufbar. Umrahmt von elegant geschwungenen Profilierungen finden sich fein modellierte, zarte Wiesenblumenbouquets und Singvögel an den Decken. Sie hat ihre Arbeit an der Stuckdecke im Speisesaal eigenhändig mit GBW 48 signiert. Der Stuck von Gudrun Baudisch-Wittke protzt nicht. Zurückhaltend, mit höchster handwerklicher und künstlerischer Qualität, zeigt das Werk eine Sehnsucht nach Ruhe und Natur. Lange Entbehrungen und Kriegsjahre, der Wunsch des Menschen zur Erholung - ein Badeschloß. Abschließen möchte ich noch zitieren: "Als größeres Werk entstand 1948 die Stuckdecke für das Kurheim in Bad Gastein" (Quelle Wikipedia). Wer nicht protzt und schreit wird nicht gehört, die Zerstörung scheint unausweichlich.

Karl Stingl, 8054 Graz

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