Leserbrief

Bemühungen um Solidarität und Integration

Was für eine Überraschung: Innenministerium vergibt Medaillen für gelungene Integration!
Der Erfolg des Innenministeriums in Bezug auf die Asylpolitik misst sich allein daran, wie stark die Zahl der Asylanträge zurück geht und wie hoch die Abschiebungsquote ist.
Ich habe über meinen Beruf in der Schule seit Jahren mit Flüchtlingsschicksalen zu tun und sie reichen mir fast bis zum Hals, weil es an menschliche Grenzen geht, wenn ein junges Mädchen keine Beine mehr hat, der Vater in Syrien überraschend stirbt und du kannst dich nicht verabschieden, der Ehemann schon zwei Jahre auf eine Einreise nach Österreich wartet.
Seit einem Jahr wohnt ein afghanischer Lehrling bei uns zuhause und wir haben enorm viel Stress, nicht weil wir uns ständig fürchten, dass er kriminell wird, sondern dass der Österreichische Staat alle unsere Bemühungen um einen jungen traumatisierten Menschen kaputt macht.
Unzählig viel Menschen leisten privat und in den verschiedenen Einrichtungen exzellente Integrationsarbeit und zeigen Wege auf, wie ein Zusammenleben verschiedener Kulturen möglich wird.
Wissen Sie, wie verachtend dann solche Wortspenden klingen wie "Es gibt kein Asyl à la carte!"
Es ist hinlänglich bekannt, dass Integration erfolgreich ist, wenn man in einem Beziehungsnetz einer Pfarre, Gemeinde, Schule aufgefangen wird und da sind immer konkrete Menschen "à la carte" engagiert.
Sehr geehrtes Innenministerium!
Lesen Sie Philipp Blom "Was auf dem Spiel steht" und Sie würden auf der Stelle beginnen, alle Bemühungen der Österreicher um Solidarität und Nächstenliebe als wertvollste Beiträge für das Zukunftsprojekt "Erde" auszeichnen und nicht ständig mit Füßen treten.
Ich wünsche mir eine Vernetzung aller engagierten Menschen in Österreich unserer gemeinsamen Zukunft willen. Wer könnte diese starten?


Elisabeth Schneider-Brandauer, Anif

Aufgerufen am 27.09.2020 um 08:16 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/bemuehungen-um-solidaritaet-und-integration-64827799

Schlagzeilen