Leserbrief

Bergerlebnis auf Kosten der Natur

Angesichts der medienwirksamen Neueröffnung der Zwölferhorn-Seilbahn wollte ich mir kürzlich selbst ein Bild von Berg und Bahn machen. Meine Wanderung führte mich von Tiefbrunnau aus auf den Gipfel und dann hinab nach St. Gilgen. Was sich mir bot, war allerdings alles andere als ein Naturerlebnis: Während man der Architektur der Gondelbahn eine gute Integration in die Landschaft zugestehen kann, bietet sich rundherum ein völlig anderes Bild: Kaum eine Wiese und kaum ein Stück Wald, in dem nicht gebohrt, gegraben oder auch gesprengt wird.

Während am Gipfel ein Arbeiter den Weg maschinell ebnete und verdichtete, grub sich ein anderer etwas weiter unten mit tonnenschwerem Gerät durch den sensiblen Almboden. Etwas weiter war ein Bagger daran, Bachläufe zu begradigen und Sprengungen vorzubereiten. Die vor dem Baulärm flüchtende Gams war hier mehr als eine sinnbildliche Darstellung der Situation.

Ich frage mich: Muss das sein? Ist es notwendig, einen ganzen Berg umzugraben und Naturflächen unwiederbringlich zu zerstören, nur um Touristen ein möglichst komfortables "Bergerlebnis" zu bieten? Sich hier vor die Kameras zu stellen und die neue Bahn ob ihres Einklangs mit Natur und Umwelt zu loben, scheint nicht mehr als eine Verhöhnung der wahren Natur!


Ingomar Hager, 4694 Ohlsdorf

Aufgerufen am 01.12.2020 um 10:02 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/bergerlebnis-auf-kosten-der-natur-94925803

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