Leserbrief

Bestellung von Nikolaus Bachler

Zweifellos ist Herr Thielemann in seinem Repertoire, wozu ich das romantische bis spätromantische deutsche Musikrepertoire zähle, einer der bedeutendsten Dirigenten unserer Zeit. Jedoch musste ich feststellen, dass in den letzten Jahren, mit Ausnahme der Walküre und der Meistersinger, Opern wie Otello, Tosca und demnächst Don Carlos und Turandot gespielt wurden bzw. werden, die ich nicht unbedingt zu den Stärken dieses Dirigenten zählen würde. Dies hat dann meines Erachtens in der Vergangenheit auch genauso geklungen, zumal mit teils nur durchschnittlichen Sängerbesetzungen, im Falle Otello und Tosca auch provinztheaterhaften Inszenierungen. Ähnliches gilt für mich auch für die Auswahl der Konzertprogramme, man denke nur an 2020! Dies ist nicht herabwürdigend gemeint, sondern ich möchte es in Relation zu den sehr hohen - wie ich meine, rekordverdächtig hohen Preisen, setzen. Hier klaffen Anspruch und Wirklichkeit meilenweit auseinander! Und zu meinem Bedauern muss ich anfügen: Dafür ist Salzburg zu Ostern eben keine Reise mehr wert!

Dies dürfte sich auch in den Auslastungszahlen widerspiegeln, die an verkauften Karten nur mehr 79,6 Prozent erreichen! Also ohne Schnittkarten und dergleichen gerechnet. Man konnte dies auch auf der Homepage der OFS ersehen, wo es bis auf die jeweilige Premiere im 1. Zyklus für alle Konzerte, diejenigen von Herrn Thielemann eingerechnet, noch Tage zuvor viele Karten zu kaufen gab. Bei einigen Konzerten dürfte die Auslastung sogar nur bei 60 Prozent gelegen haben! Warum dann überhaupt einen Fördererbeitrag bezahlen? Auch wohl deshalb sind die fördernden Mitglieder zurückgegangen.

Die finanzielle Situation dürfte auch nur durch außerordentliche Erträge, die nichts mit der künstlerischen Gebarung oder Sponsorengeldern zu tun hatten (!), noch nicht überstrapaziert sein. Einzig aus den eben erwähnten Gründen wurde nicht die gesamte Ausfallhaftung der öffentlichen Hand in Anspruch genommen. Der langjährige Hauptsponsor der OFS konnte durch die Handlungen der Geschäftsführung eben nicht ersetzt werden! Aus meiner Sicht also kein unbedingter Leistungsausweis der Geschäftsführung; - a. o. Erträge haben, wie der Name schon sagt, betriebswirtschaftlich sehr selten etwas mit dem täglichen Business zu tun!

Ich kann daher die Entscheidung des Aufsichtsrates als rechtmäßigem Vertreter der Eigentümer, der natürlich auch die wirtschaftliche Gebarung im Auge behalten muss, nur zu gut verstehen, hier in Alternativen zu denken, auch angesichts der Tatsache, dass sich der bisherige Geschäftsführer für keine weitere Amtszeit beworben hatte! Tatsächlich kam es in Folge im Rahmen eines ordnungsgemäßen Ausschreibungsverfahrens zur Bestellung von Nikolaus Bachler, wohlgemerkt durch einstimmigen Beschluss.

MMag. Karin Meier-Martetschläger, 1090 Wien

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