Leserbrief

Bestrafung statt Würdigung für Kindererziehung

Sehr geehrte Frau Reitsamer!

Danke für den Artikel "Die Arbeit der Mütter ist Milliarden schwer" (SN vom 11. 5. 19).
Auch wir, meine Frau und ich, haben uns ab der Geburt unseres Sohnes und später unserer Tochter dafür entschieden, dass meine Frau der Kinder wegen den Beruf nicht mehr ausübt, sondern ganz für die Kinder da ist.
Ein Alleinverdienerfreibetrag und eine Betriebspensionszusage bei mir waren mit für die Entscheidung verantwortlich. Der Alleinverdienerfreibetrag wurde später abgeschafft bzw. steht nur mehr kombiniert mit Kinderfreibeträgen zur Verfügung. Für Pensionisten hat man nichts mehr übrig. Weder bei der Krankenkasse, wo meine Frau bei mir mitversichert ist, hat sie Aussichten auf einen Kuraufenthalt. Noch gibt es eine steuerliche Berücksichtigung, dass zwei Menschen nun von meiner Pension leben müssen. Drei Monate vor meinem Pensionsantritt hat der Herr Schüssel übrigens mit seinem Sparpaket meine ASVG Pension lebenslänglich um 10 Prozent gekürzt.
Hätte meine Frau eine eigene Pension, würde erst ab einem Einkommen von
11.000 Euro eine Steuer anfallen. So aber wird bei mir die ASVG Pension und die Betriebspension zusammen veranlagt und mit der entsprechenden hohen Tarifstufe versteuert. Jedes Jahr erhöhen sich die Steuervorauszahlung magischerweise um ca. 4 Prozent.
Unser Pensionssystem bzw. Steuersystem ist nicht generationensicher.
Nicht nur in Richtung Finanzierung. Nein, auch was die Zusagen und Versprechen anbelangt. Zuerst wurden mir Schulzeiten als Pensionsanrechnungszeiten schriftlich bestätigt, dann der Alleinverdienerfreibetrag gestrichen und für außergewöhnliche Belastung - Arzt und Medikamentenkosten - eine Grenze von 12 Prozent des Bruttoeinkommens festgelegt. Erst darüber können diese Ausgaben steuerlich berücksichtigt werden.
Man kann Frauen nur warnen und ihnen raten, unbedingt eine eigene Pension anzustreben, weil ihre Leistung für die Kindererziehung bislang gar nicht gewürdigt wird. Im Gegenteil - siehe oben - eine Bestrafung statt einer Würdigung statt findet. Und wir beide alle je erhaltenen Kinderbeihilfen x-mal schon mit der Steuerprogression zurückgezahlt haben!
Das musste ich einfach am heutigen Muttertag, ganz im Einvernehmen mit meiner Frau, einmal loswerden. Danke!

Peter Winter, 2340 Mödling

Aufgerufen am 22.01.2022 um 01:12 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/bestrafung-statt-wuerdigung-fuer-kindererziehung-70231180

Schlagzeilen