Leserbrief

Besuche im Seniorenheim

Seit bald zwei Jahren besuche ich ein Mal pro Woche das Seniorenheim Großgmain. Im Rahmen eines Praktikums für die ehrenamtliche Mitarbeit bei der Hospizbewegung Salzburg hatte ich dort erfahren, wie selten und bereichernd es für Bewohner und Betreuerinnen ist, mit einem Lächeln gegrüßt, einem Gespräch begleitet, einem freundlichen Wort bedankt zu werden. Viele schöne Begegnungen, oft in fröhlichen Runden, habe ich seither erleben dürfen.

Seit einigen Wochen - inzwischen geimpft und jedes Mal ausgestattet mit einem negativen Covid-Schnelltest (nicht älter als 24 Stunden) - bin ich Zeuge einer zunehmend belastenden Situation: Ich erlebe Bewohnerinnen, die wenig sprechen, ihr Zimmer kaum noch verlassen, bestenfalls zwei Mal die Woche Besuch von Angehörigen erhalten, und Mitarbeiterinnen, die sich nach Kräften bemühen, die notwendige Versorgung zu gewährleisten, aber kaum Zeit für Momente der Zuwendung finden, da sie vorrangig mit administrativen Aufgaben beschäftigt sind. Das ist die triste, kaum bekannte Realität in unseren Pflegeeinrichtungen!
Ich erlebe andererseits, wie dankbar Betroffene - Bewohnerinnen und Mitarbeiter - meine Besuche annehmen. Jede Begegnung ist ein Gewinn - für alle Beteiligten!

Ich würde mir wünschen, dass viele Menschen diese Erfahrung teilen, erfahren, was es bedeutet, Freude zu spenden, für andere da zu sein. Auch das wäre ein Beitrag zur viel beschworenen neuen Normalität - mit und hoffentlich bald auch nach Corona.

Eines steht außer Zweifel:
Die aktuellen Bestimmungen für Besuche im Seniorenheim sind nicht mehr angemessen und daher umgehend zum Wohle aller Betroffenen zu ändern!


Dr. Walter Spielmann, 5071 Wals

Aufgerufen am 17.10.2021 um 09:30 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/besuche-im-seniorenheim-101253973

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