Leserbrief

Besucherschwund in Theater und Oper

Für das geringe Publikumsinteresse mögen zu einem Teil die Corona-Maßnahmen und die fehlenden Touristen Schuld tragen. Der größere Teil ist leider selbstgemacht. So werden Stücke von überheblichen Regisseuren verfälscht und in die Gegenwart verlegt, wie im Wiener Burgtheater Shakespeare's Richard II. durch Szenenhinzufügungen und die zur Sexbombe umgeformte, ständig präsente Königin. Ebenso werden schwache Gegenwartsstücke und untheatralische Romandramatisierungen geboten. Außerdem ist die Sprechqualität der jüngeren Mitwirkenden so schlecht, dass schon in den hinteren Parkettreihen das Verstehen oft ausbleibt. Die Staatsoper ist zum Durchhaus internationaler Sänger/-innen geworden, die oft nur Durchschnittsleistungen bieten. Auch hier werden Stücke szenisch abgeändert wie durch Rollendoppelung die nun humorlose Entführung aus dem Serail und in eine bühnenbildlose Gegenwartsszene mit wenigen Versatzstücken etwa Autos in Carmen und La Traviata verlegt. Das aber begeistert nicht das Stammpublikum und lockt trotz starker Preisermäßigung nicht die leider nicht zu Theater und Oper erzogene Jugend. Die Direktoren mögen überlegen, was und wie sich das Publikum Aufführungen wünscht.


Em. Univ.-Prof. Dr. Peter Wiesinger, 1130 Wien

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