Leserbrief

Bettelverbot in Assisi - eine Antwort

Sehr geehrter Herr Kutil, Sie schreiben in Ihrem Leserbrief vom 2. 5., dass Betteln ein "organisiertes Geschäftsmodell" sei. Pauschal und ohne Faktenverweis unterstellen Sie damit den "vor allem in Salzburg, aber auch in anderen Orten Österreichs bettelnden Menschen", dass diese Teil einer Organisation seien, "die den Profit abschöpft". Sie wiederholen hier ein oftmals reproduziertes Meinungsbild über bettelnde Menschen, das auf Faktenbelege verzichtet. Mit der Wiederholung wird dieses Stereotyp jedoch nicht richtiger.
Von vielen in Salzburg bettelnden Menschen sind uns deren Herkunftsregionen und deren Lebenssituationen bekannt. Wir haben bei diesen Menschen, die größtenteils im Haus Franziskus nächtigen, keine Hinweise auf eine Organisation im Hintergrund, die den "Bettelprofit" abschöpft. Sollten Sie hier stichhaltige andere Informationen haben, bitten wir Sie, uns diese mitzuteilen. Ansonsten ersuchen wir Sie, derartige faktenbefreite pauschale Unterstellungen nicht in die Welt zu setzen. Die in Salzburg bettelnden Menschen müssen in ihren rumänischen Herkunftsdörfern in bitterster Armut leben, ohne Perspektive auf einen Job und auf eine Verbesserung ihrer Lebenssituation. Das erbettelte Geld hilft ihnen und ihren Familien, dabei zu überleben.
Gern dürfen wir Sie auf unser Buch "Betteln fordert heraus" verweisen. In Expertenbeiträgen versuchen wir darin, das Thema Betteln auf eine fundierte, differenzierte Diskussionsbasis zu stellen.

Michael König (Diakonie), Johannes Dines (Caritas), P. Virgil Steindlmüller (Pfarrer von Abtenau), Helmut P. Gaisbauer (IFZ-Salzburg), 5020 Salzburg

Aufgerufen am 28.10.2021 um 09:04 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/bettelverbot-in-assisi-eine-antwort-69929173

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