Leserbrief

Bezug zur sozialen Realität verloren

Als altgedienter Lehrer, langjähriger ehemaliger Personalvertreter und Mitglied der Lehrergewerkschaft finde ich es völlig in Ordnung, wenn an den Fenstertagen unterrichtet wird.
Die Lehrergewerkschaft hat in vielen Bereichen (Gehalt, Arbeitsrecht) ihre Verdienste, andrerseits aber oft auch Verhältnisse verteidigt, die heute eigentlich niemand mehr gutheißen kann. Berufsgruppenvertreter, die bei neun Wochen Sommerferien, einer Woche Herbstferien ab diesem Jahr, zwei Wochen Weihnachtsferien, einer Woche Semesterferien, eineinhalb Wochen Osterferien und vier Tagen Pfingstferien die schulautonomen Tage (von BM Gehrer seinerzeit nur aus Einsparungsgründen bei den Überstunden eingeführt und mit dem Tarnmäntelchen der schulinternen Fortbildung umhüllt, real aber für verlängerte Wochenenden oder schulautonome Herbstferien verwendet) verteidigen - das ist ignorant gegenüber den allen übrigen Arbeitnehmern, die unter Kurzarbeit, Angst vor Arbeitsplatzverlust und Arbeitslosigkeit leiden! (Übrigens auch gegenüber Unternehmern, die Arbeitsplätze sichern.) Hier sind jegliche Bodenhaftung und der Bezug zur sozialen Realität in Österreich verloren gegangen. Und unsere gesamte Berufsgruppe - mit hoher Arbeitsplatzsicherheit - wie auch der Gewerkschaftsgedanke werden dadurch zutiefst diskreditiert.
Zusätzlich kann man sich wegen dieser Urlaubstageherausschinderei im Freundes- und Bekanntenkreis - leider berechtigt - deppert anmelden lassen. Eine moralische und politische Schande - gerade in Zeiten wie jetzt!

OStR Prof. Mag. Anton Neureiter, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 27.09.2020 um 07:12 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/bezug-zur-sozialen-realitaet-verloren-86857447

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