Leserbrief

Bildungspolitik - Bilanz & Fragen

Das Phänomen Corona bedeutet(e) Challenge für alle in der Bildungslandschaft involvierten Personen. Vom Taferlklassler und seinen Eltern bis hin zum Bildungsminister, musste jeder Außerordentliches leisten.

Als Lehrer würde ich die Performance des Bildungsministers und seines Kabinetts mit einem Genügend beurteilen. Warum nur Genügend? Abgesehen vom Shutdown der Schulen, der zu seinem Zeitpunkt absolut richtig war, stellten sich mir immer wieder Fragen.

Warum wurden Entscheidungen zur Durchführung der Maturaprüfungen derart vorschnell und wenig vorausschauend getroffen, dass sogar Schülern nach Abgabe eines leeren Blatts ein positives Reifezeugnis ausgehändigt werden muss? Warum werden immer wieder nur Bildungsexperten bemüht, welche zwar eloquent verfasste Expertisen bereitstellen, aber sich selbst oft meilenweit vom praktischen Unterrichtsgeschehen entfernt haben? Warum werden nicht an der Basis arbeitende Lehrer mit jahrelanger Erfahrung zurate gezogen, um sicherzustellen, dass Entscheidungen und Verordnungen praxisnäher und realitätsbezogener ausfallen? Warum wurden leistungsschwache Schüler nicht verpflichtet, nach Wiederöffnung der Schulen die letzten zwei Schulmonate täglich die Schule zu besuchen, anstatt sie zum freiwilligen "Sommerschulcamp" in den letzten zwei Ferienwochen einzuladen? Warum werden permanent schwammige, halbherzige, optional umzusetzende Entscheidungen getroffen, anstatt solcher mit direktivem Charakter?

Stichwort: Freiwilliges Unterrichten an den Fenstertagen zu Christi Himmelfahrt und Fronleichnam. Hätte man nicht, ob des entfallenen Sportunterrichts, mehrmals täglich kurze, fünf- bis zehnminütige, verpflichtende Gymnastikeinheiten (Kurzturnen) verordnen können?

Warum hat man nicht längst entschieden, die Herbstferienregelung 2020 ad acta zu legen, da gerade jetzt jeder zusätzliche Tag Unterricht am Schulort so nottäte? Warum halten Mitarbeiter des Kabinetts Faßmann einen Lehrer, der durch seinen Leserbrief "Aufschrei eines Lehrers" österreichweit für mediales Aufsehen sorgte, mit unfairen Mitteln vom Bildungsminister fern?

Wie gesagt, Fragen über Fragen. Daher nur "Genügend."
Sepp Schnöll, Lehrer

5431 Kuchl

Quelle: SN

Aufgerufen am 30.10.2020 um 03:30 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/bildungspolitik-bilanz-fragen-89101129

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