Leserbrief

Bodenversiegelung in Österreich

Es ist ja bekannt, Österreich ist europäischer Spitzenreiter beim Bodenverbrauch, bis zu 20 Hektar werden täglich versiegelt, bis 2050 würde ein "Weiter-so" eine nennenswerte Landwirtschaft beenden! Wollen wir das wirklich und wie schaffen es dichter besiedelte Nachbarländer wie Deutschland oder die Schweiz ihre Landschaften sichtbar besser zu ordnen und zu erhalten?

Ich denke, wir alle müssen endlich dem Problembewusstsein entsprechendes Handeln folgen lassen. Bei allem Respekt vor den vielen Menschen, die neue Wege gehen, vom Bauernmarkt bis zur Photovoltaikanlage, ist doch festzustellen, dass die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen. Für die Mega-Aufgabe der Umgestaltung unserer Lebensart, weg vom enormen Ressourcenverbrauch, braucht es klare Vorgaben und Gesetze, letztlich einen demokratisch legitimierten "handlungsfähigen Staat". Wollen und können unsere liberalen, westlichen Demokratien diese Rolle spielen oder sind Gruppeninteressen und der nächste Wahlsieg vorrangig? Die Fähigkeit zur Problemlösung wird unser aller Zukunft bestimmen.

Was könnte er denn tun, dieser "handlungsfähige Staat"? Dazu einige Gedanken:

Örtliche, gemeindebezogene Planungen und der Bürgermeister als 1. Bauinstanz sind die Hauptursachen für das zersiedelte Land. Überregionale Planung und Änderung der Instanzen sind notwendig. Bei den bayerischen Nachbarn funktioniert das besser. Nicht jedes Dorf braucht da ein eigenes Gewerbegebiet, gebietsweise Zusammenschlüsse mit Aufteilung von Kosten und Einnahmen sind die bessere Lösung.

Neue Baulandwidmungen erst dann, wenn nachweisbar kein Leerstand vorhanden ist. Wenn allein von den 1700 von der Gswb in Salzburg verwalteten Wohnungen ca. 100 leer stehen, kann man sich vorstellen, wie viel Bauland landesweit eingespart werden könnte.

Kein weiterer Grünlandfraß zugunsten weichender Bauernkinder. Wer es sich heute noch antut, einen Bauernhof zu übernehmen, sollte eher etwas bekommen, als seine Lebensgrundlage weiter zu zerstückeln.

Null Förderung für den Neubau von Wohnhäusern auf der grünen Wiese, sondern Einhebung einer Art "Grünlandverbrauchsabgabe".

Großzügige Förderung für jede Art von Revitalisierung, energetische Verbesserungen oder Abriss mit Neubau bestehender Gebäude.

Konsumtempel: Mit 1,44 m² Verkaufsfläche/Kopf sind wir auch hier europäischer Spitzenreiter, den Italienern genügen 0,99 m²/Kopf und da verhungert auch keiner. Erweiterungen oder Neubauten auf der grünen Wiese sind daher grundsätzlich abzulehnen, die Ortskerne werden es danken.

Bessere Nutzung der vielen Mega-Hallen durch Unterbauung mit Tiefgaragen und Aufstockungen.

Vorrang für die klassische Almbewirtschaftung vor touristischer und sportlicher Nutzung, mit klaren Gesetzen, die Bauern vor Haftung bei jeglichen Unfällen schützen.

Stopp für fast das ganze Jahr leer stehende Zweitwohnsitze, Nutzung des Bestands verbessern!

Auch bei den Verkehrsflächen/Kopf sind wir Spitzenreiter. Die Notwendigkeit künftiger Projekte ist streng zu prüfen, unnötiger Flächenfraß zu vermeiden und Rückbaumöglichkeiten konsequent zu nutzen.

Keine Erweiterung unserer Mega-Skigebiete oder gar Neuerschließungen, es gibt genug davon. Förderung für alternativen, sanften Tourismus.

Diese Wunschliste an die Zukunft ließe sich endlos fortsetzen. Natürlich würde deren Umsetzung unsere Wirtschaftsordnung gehörig ändern. Die Weltlage (Coronapandemie, aufstrebendes China etc.) wird allerdings Änderungen fast zwangsläufig mit sich bringen. Die Frage ist, ob wir dazu gezwungen werden oder aus eigener Kraft neue, zukunftsweisende Wege gehen.


Ing. Anton Gekle, 5400 Hallein

Aufgerufen am 20.01.2021 um 05:43 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/bodenversiegelung-in-oesterreich-95206681

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