Leserbrief

Bürgerpflicht und Wählerverdruss

Herr Fuchs empört sich in seinem Leserbrief vom 28. 3. zu Recht über Nichtwähler. Andererseits: Wie soll man sich denn Gehör verschaffen? Ich habe mich für die Stichwahl am letzten Sonntag zur Wahlurne begeben, weil ich das als Staatsbürgerpflicht/-recht ansehe, obwohl ich mein Vertrauen weder dem einen noch dem anderen schenken konnte. Ich halte beide für zu "geil" (symptomatisch, dass der Magistrat uns Wähler in diesem Jargon anspricht) - auf das Amt, Macht, den eigenen Vorteil, Seilschaften, etc. Einfühlung in und Parteinahme für die ("einfachen") Menschen dieser Stadt, ihre Anliegen, Sorgen und Nöte konnte ich bei beiden Kandidaten viel zu wenig erkennen.
Ähnliches wie ich wollten offenbar 1,8 Prozent der Wähler ausdrücken, die auch zur Wahl gingen, aber keinen der beiden Kandidaten, also ungültig wählten. 56,1 Prozent der Wahlberechtigten sind gar nicht zur Stichwahl gegangen. Davon völlig unbeeindruckt lachen mir am Montagmorgen dann beide Kandidaten freudig vom Titelblatt der SN entgegen. Herr Auinger ist sogar "stolz" und "erleichtert", will aber jetzt eine "Agentur beauftragen, um das Wahlergebnis zu analysieren".
Die braucht man allerdings nur, wenn man dieses Wahlergebnis partout nicht verstehen, dafür aber das gut bezahlte Amt lang behalten will (Bürgermeister 15.193 Euro, Bürgermeisterstv. 13.351 Euro, Stadtrat 11.970 Euro, 14 Mal pro Jahr). Dazu passend die Fotos in den SN vom 28.3. von Herrn Padutsch: Nach 37 Jahren als Stadt-/Gemeinderat ist kein Zweifel oder gar ein Schamgefühl zu erkennen, sondern ebenfalls: Stolz und Erleichterung.

Mag. Thomas Schett, 5020 Salzburg

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