Leserbrief

Chalet - mittlerweile schon ein Reizwort

In allen Teilen des Landes herrscht ein regelrechter Bauboom: Große oder kleine Chalets, welche zur Vermietung, als Zweitwohnsitz oder als Mischform angepriesen werden. Man hat den Eindruck, dass es ohne sie im heutigen Tourismus gar nicht mehr geht.

Früher mietete man sich ein Zimmer oder eine Ferienwohnung, heute müssen französische Bezeichnungen das internationale Flair betonen. Nun will man gar noch am Pass Thurn die Gäste von St. Moritz abwerben.

Es steht bald ein Luxusresort bereit, das bis zur Behandlung in der Anti-Aging-Klinik alle Wünsche erfüllen soll. Sogar plastikfrei werde dort gehaushaltet und chauffiert werde mit einem Elektro-Porsche, damit sei das Projekt nachhaltig. Nachhaltig? Nachhaltig an einem Standort direkt neben einem der international bedeutenden Ramsar-Schutzgebiete. Ein abgelegener Standort, zu dem man eigentlich nur mit Individualverkehr gelangt. Ein Standort, der für die Bebauung gerodet werden muss. Ein Standort, zu dem alle Leitungen erst hingebaut werden müssen. Niemals ist das nachhaltig.

Es ist eine Verschleuderung unserer Natur. Jener Natur, der wir die gut gefüllten Zimmer und Ferienwohnungen in Familienbetrieben seit Jahrzehnten verdanken. Doch eben diese Kleinbetriebe erleben in den letzten Jahren ein großes Sterben. Sie können mit dem Logistik-Angebot der "Großen" nicht mehr mithalten. Nachhaltigkeit und Umweltschutz sehen für mich anders aus!

Christine Grabenberger, 5452 Pfarrwerfen

Aufgerufen am 26.05.2022 um 03:22 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/chalet-mittlerweile-schon-ein-reizwort-79100665

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