Leserbrief

Chaos in der 24-Stunden-Pflege

Mein Vater wird seit über zehn Jahren von zwei slowakischen 24-Stunden-Pflegekräften betreut. Diese wechseln sich im Zwei-Wochen-Rhythmus ab. Durch die langjährige Zusammenarbeit gehören die beiden quasi zur Familie. Aufgrund der derzeitigen Situation musste eine von ihnen sechs Wochen am Stück in Salzburg bleiben, da nicht sicher war, ob die andere über die Grenze gelassen wird. Zum Glück konnte die in der Slowakei weilende Pflegerin binnen 24 Stunden einen Coronatest gegen Bezahlung in der Slowakei absolvieren, um nach Österreich einreisen zu können. Im Gegenzug versuchten wir, für die in Salzburg weilende Pflegerin einen Coronatest zu organisieren, um zu verhindern, dass sie in slowakische Quarantäne muss.

Trotz intensivster Bemühungen war es nicht möglich, für die Pflegerin in Salzburg einen Test gegen Bezahlung zu bekommen. Kontaktiert wurden insgesamt acht Stellen (Covid-Büro Salzburg, Covid-Büro Wien, Magistrat-Auskunftsstelle, Rotes Kreuz, diverse Labors usw.). Keine von diesen Stellen konnte diesbezüglich weiterhelfen. Vor wenigen Tagen wurde die in Salzburg weilende Pflegerin aufgrund eines wichtigen Termins in ihrer Heimat von unserer Familie zur Grenze nach Bratislava gebracht. Da sie keinen negativen Coronatest vorweisen konnte, wurde sie sofort in staatliche Quarantäne auf slowakischer Seite genommen. Die Pflegerin informiert uns laufend, dass die dortigen Umstände skandalös sind: Mehrere Pflegerinnen wurden mit einem Bus etliche Stunden in die Ostslowakei gefahren und dort in einem spartanischen alten Quartier regelrecht eingesperrt. Das Quartier wird von der Polizei bewacht. Niemand darf hinaus. Das Essen wird vor den Zimmern auf den Boden gestellt. Es gibt nur einen halben Liter Wasser pro Tag. Kaffee und Tee gib es nicht. Auf individuelle Bedürfnisse (Allergien) wird nicht eingegangen und die Pflegerinnen bekommen keine Informationen. Wir finden diese Zustände skandalös! Obwohl täglich über diese Thematik in den Medien und politischen Sendungen berichtet wird, gibt es eigentlich wenig Resultate. Es müsste doch möglich sein, auf politischer und bilateraler Ebene zu erreichen, dass eine Pflegerin vor Ausreise in die Slowakei einen Coronatest in Österreich machen kann, der beim Grenzübertritt von slowakischer Seite anerkannt wird.

In der Hoffnung auf baldige Besserung der Situation!

Bernd Moser, 5023 Salzburg

Quelle: SN

Aufgerufen am 04.12.2020 um 09:18 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/chaos-in-der-24-stunden-pflege-87166144

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