Leserbrief

Churfürststraße muss bleiben

Bei der Suche nach einer geeigneten Straße in Salzburg, die man nach dem im vergangenen Jahr verstorbenen Marko Feingold benennen könnte, wurde unter anderem vorgeschlagen, die Churfürststraße im Zentrum der Stadt umzubenennen. Darüber kann man nur staunen.
Offensichtlich ist in Vergessenheit geraten, wie die Straße zu ihrem Namen kam.
Zur Erinnerung: Im Zuge der Napoleonischen Kriege wurde im Jahr 1803 das Fürsterzbistum Salzburg säkularisiert. Fürsterzbischof Hieronymus Graf Colloredo trat als weltlicher Herrscher ab. Ferdinand von Toskana aus dem Hause Habsburg, der sein Land an Napoleon abtreten musste, wurde mit dem nunmehr weltlichen Fürstentum Salzburg entschädigt. Zugleich wurde das Land zum Kurfürstentum erhoben. Ferdinand regierte das Kurfürstentum Salzburg drei Jahre lang. Er war im Land äußerst beliebt und hat sich durch den Aufbau einer für die Zeit modernen Verwaltung große Verdienste für das Land erworben. Er kann in seiner Bedeutung für Salzburg durchaus neben Wolf Dietrich und Paris Lodron gestellt werden.
Als einzige Erinnerung an diesen glanzvollsten und letzten Abschnitt der Geschichte des selbstständigen Salzburg blieb die Churfürststraße im Zentrum der Stadt. Und diese will man nun umbenennen in Marko-Feingold-Straße.
So kann man mit der Geschichte des Landes nicht umgehen. Bei aller Wertschätzung für Marko Feingold muss es doch möglich sein, eine Straße zu finden, die seiner Bedeutung für die Stadt gerecht wird und nach ihm benannt werden kann, ohne den historisch bedeutenden Straßennamen zu entfernen. Es würde sicherlich auch niemandem einfallen, die Wolf-Dietrich-Straße oder die Paris-Lodron-Straße umzubenennen.

Dr. Emmerich Binder, 5020 Salzburg

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