Leserbrief

Corona nervt.

Corona nervt. Die Beschränkungen nerven. Solidarität nervt. Deswegen ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass die Kritik an den Maßnahmen der Regierung zunimmt. Gerade die Wirtschaft, die den Wert eines Menschen zu oft an seiner Leistungsfähigkeit bemisst, hat nichts übrig für Risikogruppen im Rentenalter, außer sie stellen eine finanziell liquide Zielgruppe für das eigene Unternehmen dar. Alt und krank zu sein, ist unsexy. Und unsere sich selbst ständig optimierende Gesellschaft liefert weiteren Ansporn zur Altersdiskriminierung, in der alte Menschen im sozialen Umfeld oder in den Massenmedien kaum mehr vorkommen, außer sie haben wie Clint Eastwood mit stolzen 74 Jahren einen Oscar gewonnen.
Solidarität ist anstrengend, überhaupt wenn sich das mit Corona monate- oder gar jahrelang hinzieht. Ich habe mich daher gefragt, warum soll eine Gesellschaft für alte und kranke Menschen solche Opfer bringen? Warum soll man aus Solidarität für eine Risikogruppe auf seine geliebte Freiheit und Normalität, ja, vielleicht sogar auf seine wirtschaftliche Existenz verzichten? Ich schätze, weil wir alle älter werden und wir alle - auch wenn wir es jeden Tag gekonnt verdrängen - selber sterblich sind. Wir würden nicht so reden, wenn wir selbst die Risikogruppe wären. Stimmt's?

Erika Hebenstreit, 5020 Salzburg

Aufgerufen am 30.11.2020 um 06:10 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/corona-nervt-94779529

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