Leserbrief

Corona und die Zweitwohnsitze

Wir schreiben das Jahr 50 v. Chr. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Ganz Gallien? Nein! Ein von Unbeugsamen bevölkertes Dorf hört nicht auf, Widerstand zu leisten, so heißt es bei Asterix und Obelix.

Wir schreiben das Jahr 2020 n. Chr. Die Zeit steht still. Alles wird heruntergefahren, alles? Nein, nicht alles. Eine kleine Gruppe - Airbnb und Zweitwohnsitze - trotzt dem Virus und macht das, was sie für richtig hält.

Wie das? Wo es doch heißt, Abstand halten, keine Ausflüge machen, Verwandtenbesuche verschieben, keine Bekannten treffen, einkaufen nur, wenn es wirklich notwendig ist usw. Die Mehrheit der Österreicher halten sich an die Ge- und Verbote; warum dann die Aufregung? Warum dann ein Appell: "Zweitwohnungsbesitzer bleibt zu Hause!"

Warum wohl? Weil ein Virus und sei es noch so klein, vor niemandem Halt macht, weil es immer und überall gegenwärtig ist, weil die Anreise erschwert ist und vielleicht in einer 14tägigen Quarantäne endet, weil Restaurants und Hotels zugesperrt sind, weil an Ausflüge bzw. einen Besuch touristischer Orte nicht zu denken ist, weil gemütliches Zusammensein mit den Zweitwohnsitznachbarn ohnehin verboten ist, weil es rundherum Risiken birgt, weil es unfair ist gegenüber allen Personen, die in beengten Wohnungen ausharren müssen und es auch tun und weil es ein Gebot der Stunde ist, sich und die anderen zu schützen.

Wie ist es dann möglich, dass trotzdem das Geschäft mit Airbnb blüht? Wie ist es dann möglich, dass Zweitwohnungsbesitzer in Quarantänegebiete reisen und als Sahnehäubchen ihre Wohnungen - trotz Grenzsperren auch an Ausländer - weitervermieten dürfen? Die einen dürfen alles legal, die anderen - gewerbliche Vermieter - haben neben großen Verdienst-Einbußen den Schwarzen Peter in der Hand. Wäre das jetzt nicht die Gelegenheit, hier endlich Gesetze zu erlassen, um die vielen störenden Schlupflöcher zu stopfen? Sollte Solidarität, das Füreinander nicht für alle gelten? So ist Missstimmung zwischen Einheimischen und Touristen vorprogrammiert, im Pinzgau, im Ausseer Land und anderswo.

Wie sagte einst Obelix: "Die spinnen die Römer". Und wie würde das heute heißen?

Renate Ratzenböck, 5723 Uttendorf

Aufgerufen am 28.09.2020 um 04:56 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/corona-und-die-zweitwohnsitze-86446684

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