Leserbrief

Das Adventsingen zur Salzburger Weihnachtszeit

Die in Salzburg angebotenen Möglichkeiten, die Weihnachtszeit zu genießen, sind sehr vielfältig.
Das Salzburger Adventsingen mit über 36.000 verkauften Karten und die noch vielen weiteren Veranstalter wie z. B. das Reiser Ensemble oder das Adventsingen in der St. Andrä Kirche locken zahlreiche Besucher in die Stadt. Dazu kommen die vielen Christkindlmärkte, heute sagt man Advent- oder Weihnachtsmarkt. Diese Zeit bringt sehr viel Geld nach Salzburg von der viele profitieren. Alles wird vermarktet und wird unter anderem von einigen auf Teufel komm raus ausgereizt. Da spielt es keine Rolle, wenn weihnachtliche Produkte aus China nach Korea oder USA verkauft werden. Der Tourist kauft, um ein Stück Salzburger Weihnachten mitzunehmen.
Für mich stellt sich die Frage, wem haben die Salzburger dieses weihnachtliche Schlaraffenland zu verdanken? Da wäre die Salzburger Tradition, die in jedem Haushalt oder einer Gemeinde gepflegt wurde. Und dann kam das Adventsingen. Als 1946 Tobi Reiser sen. mit Karl H. Waggerl das Adventsingen begründete, dachte noch niemand daran, dass dies so eine gewinnbringende Veranstaltung werden würde. Für die Menschen war es ein Kulturgut und eine intensivere Zeit mit der Heiligen Familie, der Begegnung zwischen Mensch und dem Göttlichen.
Diese Tradition wurde von Tobias Reiser jun. weitergeführt, und wenn man mit den damals Mitwirkenden Beteiligten spricht und sich erzählen lässt, wie das damals war, strahlen die Augen nach wie vor. Es war eine schöne Zeit, vielleicht einfacher, andächtiger und es stand nicht so sehr der kommerzielle Erfolg im Vordergrund.
Und wenn ich dann frage, wie dankt man dies alles den Begründern, dann erhalte ich Antworten, die mich nicht zufrieden stellen. Es erinnert mich an Wolfgang Amadeus Mozart. In Salzburg geboren, in Wien verstorben aber sichtbar als Denkmal von einem Grazer Gönner finanziert ein beliebtes Motiv. Dazu kommen die Mozartkugeln und vieles mehr.
Für mich persönlich wird das künstlerische Schaffen von Tobias und Tobi Reiser zu wenig gewürdigt. Salzburg verdient an ihren Künstlern, aber behandelt sie zu wenig würdevoll. Gibt es ein Denkmal oder ist es nicht zeitgemäß? Moderne Kunst von irgendjemanden findet überall Platz, die Künstler Salzburgs sind im Herzen der Salzburger und egal wie kritisch die Vergangenheit betrachtet wird, diese Menschen haben so viel für Salzburg getan. Das Gute bleibt und wird in die Welt hinausgetragen.
Jetzt wird 200 Jahre Stille Nacht gefeiert, weil ein Pfarrer und ein Lehrer, arm wie sie alle damals waren, aus der Not heraus etwas Wundervolles vollbracht haben und das ohne finanziellen Gewinn.


Martina Lienbacher, Glasenbach

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