Leserbrief

Das Haus Habsburg und die Tierliebe


Auf der Titelseite der SN vom Donnerstag, 24. März 2022 verweist der Autor unter einem abgebildeten Holzstich, der einen augenscheinlich schwer depressiven Elefanten zeigt, welcher auf Veranlassung von Maximilian II. festlich geschmückt durch Wien getrieben wurde.
Nachfolgend wird kurioserweise direkt unter dieser Abbildung und unter Verweis auf eine diesbezügliche Ausstellung in Wien auf die "lange und faszinierende Geschichte der Tierliebe der Habsburger"(Zitat) verwiesen.
Von diesem bedauernswerten Elefanten einmal abgesehen, dürfte es dem Autor möglicherweise entgangen sein, dass prominente Vertreter des Hauses Habsburg auf eine sehr unwaidmännische Art eine Unzahl von Wildtieren geschossen haben. Allein Franz Ferdinand rechnet man im Laufe seines Lebens mehr als 200.000 tote Wildtiere zu, wobei ihm Zeitgenossen eine manische Tötungssucht attestierten. Sein Tötungsrekord lag angeblich bei ca. 2.700 Lachmöwen an einem einzigen Tag.
Kaiser Franz Josef hat im Laufe seines Lebens lediglich bescheidene 55.000 Stück Wild geschossen und hat dadurch viele Tiere davor bewahrt, sich im unwegsamen Gelände des Salzkammerguts durch eigene Ungeschicklichkeit die Läufe zu brechen.
Ich bin kein militanter Tierschützer und gestehe, dass ich hin und wieder auch Teile von Tieren verzehre, die nicht eines natürlichen Todes gestorben sind. Dennoch fühle ich mich veranlasst, dem Autor ein zeitloses Zitat des ehemaligen österreichischen Bundeskanzlers Bruno Kreisky zuzurufen: "Lernen Sie Geschichte, Herr Redakteur".


Dr. Johann Schattauer, 5020 Salzburg

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