Leserbrief

Das Leben nach einem Unglück erträglicher machen

Zu "Fortführungsantrag nach tödlichem Unfall" (SN-Lokalteil vom 15. 3. 2022): Darf ich vorweg erklären, warum ich mich zu diesen Thema zu Wort melde. Als Eltern haben wir vor zwölf Jahren durch einen Verkehrsunfall, an dem er unschuldig war, unseren Sohn verloren. Aus all diesem Geschehen wissen wir, in welche Nöte und Zwänge man in dieser Situation kommt und wie wichtig es ist, einen Freundeskreis zu besitzen, der in der Lage ist, diesen so wertvollen Beistand zur Bewältigung des Geschehnisses zu geben. Bei all dem Leid muss man sich bewusst werden: Ein Unglück wird nicht bewusst herbeigeführt und aus dieser Erkenntnis heraus beginnt die fruchtbringende Bewältigung des zutiefst gehenden seelischen Leidens für beide Seiten. Bei allem Respekt vor der Arbeit des "Weißen Ringes" darf ich Folgendes festhalten.

Außer Zweifel, der Verlust des eigenen Kindes trifft zutiefst ins Herz und ist ein Begleiter im eigenen Leben bis zum Tod. Außer Zweifel ist aber auch die seelische Belastung des/der Polizisten, die in Ausübung ihres Dienstes vom Unglück getroffen wurden, denn auch sie wird das Geschehen ihr Leben lang begleiten.

Auch die Aussage der Mutter "ich fühle mich mit überfahren" ist verständlich. Schuldzuweisungen, wie in diesem Fall, bringen keine Lösung und verhärten nur die Situation. Aus diesen Überlegungen und unserer Erfahrung, wäre es sinnvoller zu versuchen, ein Verständnis zum Unglück zu schaffen, dass das Leben mit dem Geschehen für beide Seiten erträglicher macht.

Bei aller Wertschätzung der Arbeit des Weißen Ringes, finde ich die Vorgangsweise kontraproduktiv, denn auch für diese Institution gilt: Ein Unglück wird nicht bewusst herbeigeführt.


Helmut Auer, 5071 Wals

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