Leserbrief

Das Phänomen des Erstaunlichen braucht keine Religion

Zum Artikel: "Die Würde ist unantastbar" (SN vom 24.12.2018).

Ich finde es schade, dass Herr Bruckmoser die Passage über das Wunder Leben nicht religionsneutraler gestaltet hat. Das Phänomen des Erstaunlichen braucht keine Religion, es ist psychologisch:
Wenn der Kosmos, die Erde oder das Leben uns in Staunen versetzen, dann ist dieses Staunen ein menschliches Gefühl und entspringt unserem derzeitigen Unvermögen, diese Phänomene befriedigend zu erklären. Vor zehntausenden Jahren waren Regenbögen Wunder, heute sind es Erkenntnisse der modernen Wissenschaft. Interessant dabei finde ich, dass auch, wenn wir Wissen einen hohen Stellenwert einräumen, wir dennoch einen Zustand der Erquickung aus unserer Ignoranz ziehen können, indem wir staunen.
Übrigens finde ich das Werner Heisenberg zugeschriebene Zitat über den Kelch der Wissenschaft inhaltlich fragwürdig. Ist es nicht anmaßend zu behaupten, man wisse, was sich auf dem Grund besagten Kelchs verbirgt?


Reinhold Gerl, 5023 Salzburg

Aufgerufen am 28.10.2021 um 08:55 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/das-phaenomen-des-erstaunlichen-braucht-keine-religion-63149533

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