Leserbrief

Demokratie austreiben

Politik verdrossen soll sie sein, die Jugend, und nur auf Smartphone, Zocken und Chillen aus! Die Realität vieler junger Menschen sieht anders aus. Da geht es vielleicht nicht mehr um Pragmatisierung und eine schöne Pension, dafür aber immer öfter um eine Globalisierung der Menschlichkeit, um gleiche Chancen für wirklich alle Menschen und nicht zuletzt um die Zukunft der Erde an sich.
Plötzlich rührt sich etwas in der Jugend, und sie will doch tatsächlich auf die Straße gehen mit ihrer Sorge und ihrem Ärger über die Ohnmacht der Politik gegenüber der im voranschreitenden Klimawandel sich abzeichnenden Selbstzerstörung der Menschheit.
Wie seit über 170 Jahren beschäftigt das Land nur eine Frage: "Ja, dürfen´s denn das?"
Und es wäre nicht Kakanien, pardon: Österreich, würden nicht vom Minister abwärts die Zeigefinger hochschnellen: "Demokratie ja, aber bitt´schön sicher nicht während der Unterrichtszeit!" Und das werden sie ja auch sicher verstehen, die Schülerinnen und Schüler, die in zahllosen Supplier-, Frei- und Verlegenheitsfilmstunden und besonders in den Tagen bis Wochen vor und nach Ferien klar vor Augen geführt bekommen, wie wertvoll und absolut unverzichtbar jede einzelne Schulstunde ist...
Welchen Stellenwert von Demokratie, welche Optik des Systems vermitteln wir diesen zum Engagement bereiten Jugendlichen? Und was wo sind Kampfgeist und Mut jener Entscheidungsträger geblieben, die es seinerzeit keinen Deut kümmerte, ob ihre berechtigten Proteste auch bis ins Detail rechtens abliefen? Welcher Erwachsene wäre heute nicht auf seine Betragensnote stolz, die er wegen der Teilnahme in Hainburg oder Wackersdorf ausgefasst hätte! Zum Glück sind viele Junge auch heute selbstbewusst genug, sich von zwei, drei unentschuldigten Fehlstunden nicht irritieren zu lassen, wenn es die Sache wert ist!

Thomas Haas, 5112 Lamprechtshausen

Aufgerufen am 16.10.2019 um 12:13 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/demokratie-austreiben-67250500

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