Leserbrief

Den Almbauern zu verklagen, geht eindeutig zu weit.

Im Jahr 2014 passierte auf einer Alm im Stubaital-Tirol ein bedauerlicher Unfall. Eine Wanderin wurde von einer Kuh so schwer verletzt, dass sie verstarb. Der Witwer und das Kind verklagten den Almbauern auf Zahlung Schmerzensgeld, Witwerpension und dem Kind Waisenpension. Das Strafverfahren gegen den Bauern wurde jedoch von der Staatsanwaltschaft eingestellt. Das OLG Innsbruck verurteilte den Almbesitzer trotzdem zu einer hohen Zahlung an den Witwer und an den Sohn fast 200.000 Euro.
Als Almwanderer kann man dieses Urteil nicht nachvollziehen: Erstens ist die Rechtslage laut Rechtsanwalt unklar. Weiters ist der Wanderin grob anzulasten, dass sie die Hinweise auf das Almvieh ignoriert hat. Der Richter des OLG hat dem Almbauern zugemutet, viele hundert Meter die Almweide einzuzäunen, dazu muss noch ein Wanderweg errichtet werden, wenn dieser nicht über eine Weide führen soll. Wie soll das funktionieren, wenn die Almweiden viele hunderte Hektar umfassen? Wie oft werden Wanderer, besonders mit Hunden auf mögliche Gefahren mit dem Almvieh, hingewiesen. Wenn Hinweise sträflich ignoriert werden, können derartige Unfälle passieren. Danach den Almbauern zu verklagen, geht eindeutig zu weit. Man kann nur hoffen, dass die Herren Richter beim OGH Einsehen haben.

Josef Lechner, 5500 Bischofshofen

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