Leserbrief

Der Alpenverein und die Windkraft

Als Mitgestalter der alpinen Zukunft und ökologisches Gewissen in alpinen Umweltfragen hat sich der Alpenverein etabliert. Deswegen ist es auch selbstverständlich, dass der Alpenverein zu 100% die Klimaziele erreichen will, da hat er das gleiche Ziel wie die Politik. Der Alpenverein bekennt sich auch zur Errichtung von Anlagen für die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien.

Gleichzeitig erfüllt der Alpenverein einen anderen Auftrag als die Politik, nämlich den Satzungsauftrag, der neben dem Bergsport als Vereinszweck definiert, dass die Schönheit und Ursprünglichkeit der Bergwelt zu schützen sind. Dazu sind wir als Funktionäre/-innen und auch als Mitglieder verpflichtet. Dennoch ein paar Fakten:

Der Alpenverein hat nur 2% der Windräder in Österreich beeinsprucht. Der Alpenverein hat die Standorte in Salzburg einer Prüfung unterzogen auf Basis der bisherigen Informationen. Drei Standorte werden eindeutig mit ja unterstützt. Windsfeld gehört nicht dazu. Mit diesen drei Standorten wäre das Klimaziel 2030 bei der Windkraft für das Land Salzburg schon erreicht. Die Alpenkonvention und ihre Durchführungsprotokolle sind rechtlich verpflichtende Staatsverträge, die zu natur- und landschaftsschonenden und naturverträglichen Maßnahmen verpflichten.

Es braucht aber auch einen gesamten Energieplan. Alle Projekte müssen auf den Tisch, nicht nur die Windkraft, sondern auch Photovoltaikanlagen oder Wasserkraftanlagen, denn dann können wir aus naturschutzrechtlicher Sicht auch eine Einschätzung haben, was noch alles kommt.

Denn: Was nützt es uns, wenn wir zwar alles auf erneuerbare Energie umgestellt haben, aber zum Preis von zahllosen Tier- und Pflanzenarten? Die Alpen sind nun mal ein Durchzugsgebiet von zahlreichen Vogelarten, Fledermäusen, Schmetterlingen, die von Norden in den Süden und umgekehrt wollen und fliegen dadurch zu Abertausenden durch Alpentäler. Das können und dürfen wir als Alpenverein nicht ignorieren. Es braucht eine Gesamtstrategie, wo nicht eine Krise gegen die andere ausgespielt wird. Und eines muss immer mitkommuniziert werden: egal wie viel Energie erzeugt werden wird, es wird ohne Einschränkungen nicht gehen, die aber nicht zwangsläufig auf Kosten der Lebensqualität gehen müssen. Dafür sollte aber schnellstmöglich, das Energieeffizienzgesetz gestaltet werden.

Wir sind für die Energiewende und auch den Bau von Anlagen, aber eben nicht an allen geplanten Standorten. Der österreichische Alpenverein hat primär die Verpflichtung zu Natur- und Landschaftsschutz, das ist unser Auftrag.

Dr. Nicole Slupetzky, Vizepräsidentin des Alpenverein Österreich und Salzburgerin

Aufgerufen am 18.05.2022 um 12:01 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/der-alpenverein-und-die-windkraft-119109652

Schlagzeilen