Leserbrief

Der engagierte Lehrer und seine Feinde

Recht hat er, der Lehrer Sepp Schnöll: Engagierte Pädagogen beiderlei Geschlechts haben den Bildungserfolg großteils in ihrer Hand, sie sind tatsächlich die "Macher" (SN vom 28.3.2019). Was er nicht erwähnt, ist, dass es nicht nur wegen des "administrativen Overkills" problematisch werden kann, wenn der Staat Schulqualität zentral standardisieren, evaluieren und sichern will. In den USA hat sich nämlich gezeigt, dass Schulen, die vorwiegend nach Testergebnissen und Statistiken bewertet werden, in eine extreme Wettbewerbssituation geraten, die viele negative Auswirkungen hat. Beispielsweise werden schwächere Kinder abgeschoben anstatt gefördert, da sie ja die Statistik verschlechtern könnten! Den "Brennpunktschulen" wie hierzulande etwa manchen städtischen Mittelschulen wäre viel eher geholfen, wenn sie mehr Freiheit bekämen, ihr Angebot standortgerecht zu gestalten und wenn ihnen dafür bedarfsgerecht ausreichende Mittel zugeteilt würden. Die Hoffnung Schnölls, dass die Einführung einer Gesamtschule "viele Probleme von selbst lösen" werde, teile ich übrigens nicht, denn auch dort müsste eine gewisse Binnendifferenzierung stattfinden, und auch in Gesamtschulländern gibt es de facto sehr große Unterschiede zwischen einzelnen Schulstandorten. Deshalb kann das Rezept nur lauten: Mehr Schulautonomie statt mehr Vereinheitlichung, mehr Macht den Pädagogen und weniger den Bürokraten.

Mag. Markus Kerschbaumer, 8052 Graz

Aufgerufen am 27.09.2020 um 07:13 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/der-engagierte-lehrer-und-seine-feinde-68196673

Schlagzeilen