Leserbrief

Der Glauben an den Sohn Gottes

Jesus Christus, Sohn Gottes - der Text dieser Spalte vom 5. 1 2019 in den SN von Frau Prof. Dr. Angelika Walser stützt sich zum Teil auf das problematische Hypothesengeflecht einer schon längst überholten Bibelwissenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts.

Die literarischen Genera der matthäischen und lukanischen Kindheitsgeschichten Jesu - angesiedelt in der zeitgenössischen haggaddischen Literatur - sind als Konglomerat von Historie, theologischer Deutung und volkstümlichen Elementen schwer bestimmbar. Wenn die Auslegung dieser Texte zu der Meinung führt, Josef sei nicht nur der juristische, sondern auch biologische Vater Jesu, was die Verfasserin offenbar indirekt zu denken scheint, dann werden sie dieser antiken Bildwelt, auf der die Sprache fußt, nicht gerecht.
Doch sei betont, dass auch eine solche Auslegung für den Glauben an den göttlichen Sohn Gottes unerheblich ist, wie bereits der emeritierte Papst Benedikt XVI. vor Jahrzehnten (Einführung in das Christentum 1968, S. 225) geschrieben hat: " […] Denn die Gottessohnschaft, von der der Glaube spricht, ist kein biologisches, sondern ein ontologisches Faktum."

Die Auffassung allerdings, dass die Vorstellung vom Sohn Gottes die ersten vier Konzilien mit Hilfe der griechischen Philosophie entwickelt hätten, ist ein Märchen. Der Glaube an den göttlichen Sohn Gottes war seit den Anfängen des Christentums auf Grund der Erfahrung der Jüngerinnen und Jünger mit dem Auferstandenen Realität. Schon Markus, das älteste Evangelium, bezeugt Jesu göttliche Vollmacht, was nur in dem Bewusstsein möglich ist, dass sich Jesus als der göttliche Sohn Gottes verstanden hat (Markus 2,2-12). Er ist wie Gott der Herr über die chaotischen Mächte (Markus 4,36-41) und der vom Vater gesandte Sohn (Markus 12,1-12). Der Apostel Johannes sagt in seinem Evangelium am deutlichsten, wer dieser Jesus ist, nämlich der Mensch gewordene Logos, der immerdar, also auch als Mensch und als durch Tod und Auferstehung Gegangener wesenhaft wie der Vater Gott ist.
Und Johannes schreibt am Ende seines Evangeliums: "Dies ist der Jünger, der über diese Ereignisse Zeugnis ablegt und der dies geschrieben hat. Daher ist uns ganz und gar bewusst (griechisches Perfekt!), dass sein Zeugnis wahr ist." (Johannes 21,24).

Wollen wir heute als Christen die Urzeugen des Christusgeschehens ignorieren und als Lügner hinstellen?


Univ. Prof. Dr. Karl Jaros, 4061 Pasching

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