Leserbrief

Der Kanzlertausch ist ein Etikettenschwindel

Einem Lebensmittelproduzenten würde man im Hinblick auf das Haltbarkeitsdatum Etikettenschwindel vorwerfen. So könnte man es auch bei den Türkisen sehen. Tausche Etikette "Kurz" gegen Etikette "Schallenberg". Der Inhalt bleibt aber ein und derselbe, obwohl das Produkt schon faul ist und vom Markt genommen werden müsste. Das kann man so deuten, wenn man die Antrittsrede und das Verhalten vom neuen Bundeskanzler im Parlament beurteilt. Kein Wort der Entschuldigung, kein Wort der Demut, kein Wort wonach eine unabhängige Justiz den Fall unbeeinflusst vorantreiben soll. Nein, der dritthöchste Repräsentant des Staates stellt Kurz einen Persilschein aus und behandelt die anderen Fraktionen und auch die WKStA in einer schnoddrigen Art und Weise. Kein Wort, dass die Fehltritte der Türkisen bei vielen Staatsbürgern enormen politischen Vertrauensverlust zur Folge hat. Nein, es wird weiter an dieser Linie festgehalten. Anders kann man die Wortmeldung des neuen Bundeskanzlers nicht deuten. Einzig der Herr Bundespräsident - als oberster Staatshüter der Nation - hat sich in seiner Rede im Fernsehen für das politische Verhalten (wahrscheinlich die türkisen Chats gemeint) beim Wahlvolk entschuldigt. Zur Erinnerung: Kurz und seinen Getreuen ging es bei der seinerzeitigen Machtergreifung nicht - wie von ihm stets behauptet - um das Staatswohl und neuen Stil, sondern um die Durchsetzung eigener Spielregeln. Das zeigen mittlerweile die vielen Chats. Mit verbündeten Medien und frisierten Fakten sowie Verhinderung eines ausverhandelten Kinderbetreuungspaketes wurde die Machtübernahme vorbereitet. Egal, ob es Parteifreunde oder den politischen Gegner betraf. Sie alle wurden von Kurz und seinen Mitspielern im türkisen Netzwerk mit demokratiepolitisch fiesen Methoden abserviert. Nach der gestrigen Parlamentssitzung bleibt der Eindruck, dass sich angesichts der Antrittsrede des neuen Bundeskanzlers auch künftig wenig bis gar nichts am türkisen Verhalten ändern wird. Ich bin gespannt, wann sich die "alte Volkspartei" aus den Klammern der Türkisen befreit.


Hans Auer, 5061 Elsbethen

Aufgerufen am 20.10.2021 um 07:11 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/der-kanzlertausch-ist-ein-etikettenschwindel-110877253

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