Leserbrief

Der Koran und die Nächstenliebe


In dem von Professor Khorchide vorgebrachten angeblichen Nächstenliebe-Zitat (Sure 59, Vers 9) geht es, wie die zwei Verse davor zeigen, ausschließlich um die Verteilung von Beute - siehe Sure 59, Vers 7: "Was Allah seinem Gesandten von den Städtebewohnern [gemeint sind nach trad. Interpretation die jüdischen Oasenbewohner von Chaibar etc., die 630 von Mhmd. unterworfen wurden, wenn man der üblichen Historiografie glauben will] zur Beute gab, das gehört Allah und seinem Gesandten und seiner Verwandtschaft, den Waisen und Armen. 8. (Und es gehört auch) den armen Auswanderern ... [von Medina ... Genaueres steht in allen Korankommentaren]".

Das heißt, jeder Muslim im Umfeld sollte was abkriegen von dem "zurückgeholten Gut" (wie Tilman Nagel, der Doyen der dt. Islamwissenschaft, übersetzt: Siehe "Was ist der Islam?" S. 562 f.)! "Zurückgeholt", weil die Welt ja als eine muslimische erschaffen wurde und somit alle Beute, auch das eroberte Land, von Anfang an den Muslimen zustand und zusteht, wie T. Nagel in diesem gewaltigen Buch mehrfach erläutert und stets sehr gut belegt!
Die Kürzung von Koranzitaten ist eine im Religionsdialog sehr beliebte Methode, wenn es darum geht, bestimmte Sachverhalte in ein besseres Licht zu rücken. Leider ist sie sehr unredlich.


Mag. Karl Steinkogler, 4802 Ebensee

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