Leserbrief

Der leidige Vergleich mit dem Brenner

Antwort auf den Leserbrief "CO2-Bilanz von E-Autos" von Dr. Wilhelmstätter in den SN vom 18. 10.: Auch ich finde die objektive Diskussion zu Energie und Mobilität sehr wichtig. Der übliche Vergleich der direkten Treibhausgas (THG)-Emission eines Verbrenners, mit dem vorgelagerten THG eines Akkus, passt dabei eher zu reißerischen Internet-Boulevard-Artikeln. So leicht ist das leider nicht, denn auch ein Verbrenner verbraucht bei der Herstellung Ressourcen und der europäische Strommix ist bei der Erzeugung mit THG-Emission behaftet. Ein LCA ist damit unumgänglich beim Vergleich der beiden Technologien.

Hierbei weisen Elektrofahrzeuge, auch bei durchschnittlicher Nutzung, bereits heute geringere Emissionen als Verbrenner auf. Interessanter als der Vergleich von Stand heute sind allerdings die Chancen. Die Produktion von Akkus unterliegt im Moment exponentiellem Wachstum. Die damit verbundenen Skaleneffekte führen zu einer Reduktion der vorgelagerten THG-Emission, während die IVL Studie eine Momentaufnahme bleibt. Die vorgelagerte THG-Emission skaliert mit dem Gewicht des Akkus, mit höheren Energiedichten wird die Emission/kWh reduziert werden.

Durch die Energiewende hat man ein Auto, dass jeden Tag weniger THG im Betrieb verursacht. Wenn ein Akku mit 100 kWh Energie (nicht Leistung!) nötig ist, damit Leute von deren Verbrenner ähnlicher Klasse umsteigen, ist das ein Erfolg für unser Klima. Die Abwägung von Komfort und Bescheidenheit liegt natürlich nach wie vor beim Einzelnen, aber die Technologie bietet in jedem Fall einen Vorteil.

Michael Karl, 5061 Elsbethen

Aufgerufen am 20.01.2022 um 11:18 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/der-leidige-vergleich-mit-dem-brenner-77883238

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