Leserbrief

Der positive Blick fällt schwer

Manfred Perterer schrieb in seinem Leitartikel in den SN vom
2. 5. sinngemäß, dass uns jetzt der positive Blick darauf, was schon alles wieder geht, weiterhilft.

Mir persönlich fällt das sehr schwer. Ich habe zwei aus meiner Sicht gleichberechtigte Wohnsitze - einen in Wien, wo ich unter der Woche arbeite, und einen in meinem Heimatort im bayerischen Laufen, wo ich am Wochenende bin. Nur zu Letzterem - damit zu vielen Verwandten und Bekannten - darf ich seit 16. März nicht, ohne Aussicht darauf, wann es ohne beiderseitige 14-tägige Quarantäne wieder möglich sein wird.

Ich würde es ja verstehen, wenn es einen sachlichen Grund dafür gibt - aber jetzt sehe ich, dass auf beiden Seiten das Einkaufen wieder möglich ist, das Bewegen im Freien unter Einhaltung der Auflagen. Nur, auch wenn ich mich an alle Kontaktbeschränkungen halte, wozu ich mich notfalls auch mit einer App verpflichten würde, darf ich nicht hin. Und gerade in den Partnerstädten Oberndorf und Laufen geht es vielen Familien so.

Wo ist hier die EU? Seit dem EU-Beitritt bemühe ich mich, die Grenzen im Kopf zu vergessen, mich - auch aufgrund meiner Situation als in Deutschland Geborener mit österreichischem Pass - als EU-Bürger zu sehen (war nicht schon mal von der Idee die Rede, dass man einen EU-Pass beantragen kann?). Jetzt bricht das alles in sich zusammen und der EU fällt dazu nicht wirklich viel ein. Solange diese Grenzen daher für mich und andere direkt Betroffene nicht wieder aufgehen, tue ich mir mit dem positiven Blick auf die Erleichterungen sehr schwer …

Mag. Christian Dietl, 1220 Wien

Quelle: SN

Aufgerufen am 27.09.2020 um 03:50 auf https://www.sn.at/leserforum/leserbrief/der-positive-blick-faellt-schwer-87239152

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