Leserbrief

Der Sport schreibt seine eigenen Geschichten

Man will berichten von einer Europameisterschaft mit Fans als Botschaft an das Leben: Wir sind noch da. Von einem Sportereignis als Symbol für den Weg zurück in die Normalität. Von stimmungsvollen Jubelgesängen auf den Tribünen statt überlauter Zurufe auf dem Feld. Countdown, intensive Vorberichterstattung, Werbung für alles, was es für ein großes Fußballfest braucht. Stimmungsaufbau. Dann liegt er da. Der Däne Christian Eriksen. Und die Menschen auf den Zuschauerrängen, sie weinen. Und die Geschichte ist plötzlich eine andere. Auf der großen Fußball-Feier, mit der man den Sport aus der Pandemie führen will, in einem Stadion, in dem die in Nationalfarben gekleideten Fans Stimmung machen sollen. Da wird es plötzlich still. Und die Geschichten schreiben andere.

Die, die mit ihren Kameras an das Geschehen heranzoomen und die, die eine Mauer um den Spieler bauen. Die, die die schnelle medizinische Versorgung loben und die, die wissen wollen, ob der zusammengebrochene Spieler gegen Covid-19 geimpft war. Die Dänen und die Finnen im Stadion, die gemeinsam einen Namen skandieren. Manchmal ist es die erwartete Ergebnisberichterstattung und manchmal zählt das Ergebnis eigentlich nichts. Und ein Sieg der Finnen, eine Sensation, ist keine. Denn die Geschichte ist eine andere.

Dem Sport kann man nichts aufzwingen, er schreibt seine Geschichten selbst.


Elisabeth Weinkamer, 5020 Salzburg

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